Das Maß aller Dinge

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat den Richtwert noch einmal deutlich gesenkt: Nur noch 24 Gramm Zucker, d.h. sechs Teelöffel, sollten es am Tag sein.

Die Lust auf Süßes ist uns in die Wiege gelegt: Schon Fruchtwasser und Muttermilch sind süß. Und kaum auf der Welt, lernen wir, dass Schokolade glücklich machen kann – etwa nach jeder guten Schulnote, die mit Süßigkeiten quittiert worden ist. „Zucker stimuliert unser Belohnungszentrum im Gehirn“, erläutert Brinja Striezel. „Auch erlerntes Verhalten und die Situation, in der wir essen, sind wichtige Faktoren. Sie nehmen Einfluss, sobald wir darüber entscheiden, was wir wann zu uns nehmen. Diesen Umstand macht sich die Lebensmittelindustrie heutzutage zunutze: An einfachen und klassischen Lebensmitteln lässt sich schon lange nichts mehr verdienen. Daher werden Milliarden investiert, um ein Nahrungsangebot zu präsentieren, das sich auf industriell hergestellte Produkte konzentriert.“

Erfolgreiche Verkaufsstrategien

„Während frühere Generationen teilweise einen harten Überlebenskampf führen mussten, greifen wir im Supermarkt beherzt zu, um uns mit Lebensmitteln aus endlos langen Regalreihen zu versorgen“, ergänzt Dr. Andrea Flemmer augenzwinkernd. „Wir stillen längst nicht nur unseren Hunger, sondern folgen unbewussten Prozessen, die eng mit unseren Emotionen in Verbindung stehen.“ Werbebotschaften können allzu verführerisch wirken, wenn beispielsweise mal wieder der kleine Hunger kommt oder der Tagesbedarf an Kalzium durch die Extraportion Milch sichergestellt werden soll. Der beliebte Schokoriegel zeigt, wie konsequent die Branche arbeitet, um den Absatz erfolgreich zu fördern. „48 Stück Würfelzucker und ein halbes Paket Butter sind in dreizehn Riegeln enthalten – genau diese Anzahl bräuchte es, damit wir am Tag keinen Kalziummangel erleiden“, gibt die Ernährungsexpertin der Audi BKK zu bedenken.

Gefährdete Zielgruppe: Kinder

„Zucker und Fett aus dem Schokoriegel würden in diesen Mengen wohl kaum pur auf unseren Tellern landen. Das Rechenbeispiel ist schon deshalb alarmierend, weil das Produkt auf eine besonders junge Zielgruppe ausgerichtet ist.“ Dr. Andrea Flemmer führt aus, was vielen Eltern eine Herzensangelegenheit ist: „Die meisten Kinder lieben Süßigkeiten. Ihre Süßungsschwelle ist höher als bei Erwachsenen, d. h., ihnen kann es eigentlich nie zu süß sein. Wir sprechen hier vom berühmten Fass ohne Boden – mit allen gesundheitlichen Konsequenzen, die daraus auf lange Sicht resultieren können.“

Grafik die den Zuckergehalt verschiedener Lebensmittel aufzeigt

 

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