Evolution: Willkommen im Gestern!

Um auf Reise in die Vergangenheit zu gehen, braucht es nur den Blick nach innen. Wissenschaftler, die sich mit der menschlichen Evolutionsgeschichte befassen, sind sich einig: Die Steinzeit ist weniger als einen Steinwurf entfernt.

Biologisch betrachtet ist der Mensch noch immer ein steinzeitliches Relikt. Daran ändern auch Smartphone und Fernbedienung nichts. Vor rund 10.000 Jahren, mit Entstehung der Landwirtschaft, etablierten sich die ersten festen Siedlungsplätze. Das Überleben hing nicht länger vom Jagdglück oder von mühseliger Nahrungssuche ab. Stattdessen konnten immer mehr Menschen ernährt werden. Die Menschheit wurde sesshaft – mit weitreichenden Konsequenzen.

Seit der Jungsteinzeit hat sich unsere Lebenswelt drastisch verändert. Gemessen an den 2,5 Millionen Jahren, seit die ersten Menschen in Ostafrika die Weltbühne betraten, ist dieser Zeitraum ein historischer Klacks. Anders ausgedrückt: An der menschlichen Stammes- und Kulturgeschichte besitzt er im Verhältnis gerade einmal einen Anteil von 0,4 Prozent. Umso erstaunlicher ist, wie rasch der kulturelle Fortschritt spätestens seit der Industriellen Revolution an Fahrt gewonnen hat. Den größten Teil seines Erdendaseins, immerhin 99,6 Prozent, hat der Mensch als Jäger und Sammler verbracht. Körperliche Aktivität war sein Tagesgeschäft. Er wanderte kilometerweit und sammelte Früchte, Pilze und Wurzeln. Abwechslung in die vegetarische Küche brachte die Jagd. Im Stammesverband wurde Wild zu Tode gehetzt. Die Urmenschen liefen, bevor sie Pfeil und Bogen erfanden.

Ihr tägliches Pensum betrug laut Schätzung bis zu 15 Kilometer. Kein Wunder, dass Experten heute warnen. Der moderne Mensch hat sich von diesem Erbe nahezu nichts erhalten. Frühstückstisch, Auto, Arbeitsplatz, Sofa: Wenn wir uns zu Fuß im Alltag bewegen, dann durchschnittlich einen Kilometer. Wussten Sie, dass in Deutschland rund 95 Prozent aller Erwachsenen körperlich unterfordert sind? Durch die Benutzung von Smartphone und Fernbedienung werden beispielsweise jeden Tag 400 Meter Fußweg eingespart. Homo sapiens hat es weit gebracht – allein die Biologie hinkt deutlich nach.

Grafik über die Evolution des Menschen, der ab einem bestimmten Punkt an den Computer wächst.

Bis vor 10.000 Jahren haben die Menschen noch weite Strecken zurückgelegt, um ihre Ernährung sicherzustellen. Heute erledigen wir unseren Einkauf im Internet. Das spart Zeit, fördert aber nicht die Gesundheit.

 

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Über das Modell „Urzeit“-Körper berichten Detlev Ganten, Thilo Spahl und Thomas Deichmann in ihrem spannenden Sachbuch „Die Steinzeit steckt uns in den Knochen“, ausgezeichnet als „Wissensbuch des Jahres 2010“.

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