Lebensstil: Sitzt du noch?

Wir sind Steinzeitmenschen, die aufgehört haben, ihre Höhle zu verlassen. Auch unsere Ahnen ruhten vor dem Feuer. Erholung muss sein. Daran gibt es keinen Zweifel. Allerdings macht die Dosis das Gift.

Bewegung ist ein menschliches Grundbedürfnis. Dennoch verbringen immer mehr Menschen in Deutschland ihre Zeit in starrer Körperhaltung. Kaum aus den Federn, holt sie der sitzende Lebensstil ein. Siebeneinhalb Stunden verbringen wir täglich auf diese Weise, neun Stunden verharren Teenager in weitgehender Regungslosigkeit. Das sind mehr als 70 Prozent ihres Wachseins. Und selbst bei Kindern stimmt die Quote nachdenklich: Mit der Einschulung zum Dauersitzen gezwungen, sind sie bis zu 70 Prozent des Tages körperlich inaktiv.

Alles, was wir im Sitzen oder im Liegen tun, kennzeichnet den sitzenden Lebensstil. Wie in der Zeit, die wir vor dem Fernseher oder Computer verbringen, steht meist eine andere Tätigkeit im Vordergrund. Sitzen wird zur so genannten Ko-Aktivität, die das eigentliche Geschehen am Rande begleitet. Als Primäraktivitäten gelten schon bei Kindern und Jugendlichen Medienkonsum, motorisierter (Schul-)Weg und Schule. All dies geschieht überwiegend im Sitzen. Ein wichtiges Merkmal kommt hinzu: der überaus niedrige Energieverbrauch. Der Energieverbrauch von sitzenden Menschen liegt unwesentlich höher als der Energieverbrauch beim Schlafen, das heißt knapp oberhalb ihres Grundumsatzes. Damit ist vereinfacht die Energiemenge gemeint, die der menschliche Körper im Ruhestand benötigt, um elementare Körperfunktionen aufrechtzuerhalten. Wer lange sitzt, drosselt Kreislauf und Stoffwechsel. Beides ist jedoch notwendig, damit Sauerstoff, Zucker, Fette, Mineralien, Vitamine oder auch Abwehrzellen für die biochemischen Vorgänge in den Körperzellen zur Verfügung stehen und nutzbar gemacht werden. Je mehr wir in Schwung sind, desto besser funktioniert der Organismus. Wie gut unser Motor läuft, hängt vor allem davon ab, wie lange wir am Stück sitzen und wie viel Bewegung in unserem Alltag steckt.

Grafik zum Energieverbrauch im Alltag.

 

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