Mann, bleib gesund!

Männer und ihre Gesundheit – ein schwieriges Thema: „Zähne zusammenbeißen und durch“, „ein Indianer kennt keinen Schmerz“, „no risk no fun“ – Stereotype wie diese prägen noch immer das Männlichkeitsbild. Riskantes Verhalten ist cool, ein harter Kerl, der „viel verträgt“. Längst von gestern? Nicht unbedingt: Fünf Jahre niedriger ist die Lebenserwartung von Männern als die von Frauen. Wer es sich einfach machen will, mahnt zu gesünderem Leben, mehr Achtsamkeit und mehr Vorsorge. Doch das ist nur die halbe Wahrheit.

Sind Männer nicht selbst schuld, wenn sie früher sterben als Frauen? Sollen sie doch besser auf sich achten lernen, der ewige Macho ist doch längst out! So lautet der gesellschaftliche Konsens, wenn es um die Gesundheit von Männern geht. Weiterer Handlungsbedarf: null. Doch so einfach ist es nicht. Während junge Frauen schon früh mit dem Sinn regelmäßiger Arztbesuche vertraut gemacht werden (z. B. Krebsvorsorge, Frauenarzt), fehlt entsprechende Bewusstseinsbildung für junge Männer komplett. Nachholbedarf gibt es aber auch dort, wo Früherkennung meist stattfindet, beim Allgemeinarzt: Weder die ärztliche Ausbildung noch die Methodik von Check-ups berücksichtigen bislang die Besonderheiten männlicher Psyche und maskuliner Kommunikation – vor allem psychische Ursachen und Suchtprobleme bleibendadurch häufig unentdeckt.

Seit Jahren beobachten Wissenschaftler einen Anstieg von Depressionserkrankungen in Deutschland – sei es als Folge des neuerdings viel diskutierten Burn-outs oder aus anderen Gründen. Nun könnte man argumentieren, Depressionen seien vor allem ein Frauenproblem, schon deswegen, weil dreimal mehr Frauen medizinisch oder therapeutisch wegen Depression behandelt werden als Männer. Doch das ist ein Trugschluss. Männer nehmen sich dreimal häufiger das Leben (!) als Frauen: Rund 8.000 männlichen Selbstmördern jedes Jahr stehen etwa 2.500 – 3.000 Frauen gegenüber. Zum Vergleich: Im Straßenverkehr starben 2012 in Deutschland 3.606 Menschen*, rund ein Drittel der Zahl der Selbstmorde. Unbehandelte bzw. unbewältigte Depressionen gelten als Hauptgrund für den Suizid. Offenkundig leiden Männer genauso stark seelisch und psychisch wie Frauen. Aber sie sprechen nicht daru?ber und gehen anders damit um. Das zeigt sich auch an der Tatsache, dass Männer deutlich häufiger als Frauen an Suchterkrankungen leiden, Nummer eins ist die Alkoholabhängigkeit.

Das Thema Gesundheit von Männern berührt gesellschaftlich tief verwurzelte Leitbilder, es findet sich in der Vorsorge- und Präventionsmedizin und ist zugleich gesundheitspolitisch brisant. So recht darüber reden will allerdings niemand. Am wenigsten die Betroffenen selbst. Das sollte sich ändern.

 

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