Total digital!

Verblöden wir durch Facebook, Google und Co., droht uns „digitale Demenz“? Wie wirken Digitalisierung und Internet auf Körper und Geist? Und unsere Kinder: Sollen wir den Umgang mit elektronischen Medien fördern oder eher bremsen? Was ist das überhaupt: ein gesunder Umgang mit digitalen Medien? Keine einfachen Fragen – aber wichtige.

Natürlich machen Medien nicht einfach so krank. Die Fragen sind so alt wie die Medien selbst und bis heute nicht eindeutig beantwortet. Auch hier gilt das berühmte Paracelsus-Zitat „Die Menge macht das Gift“. Aber digitale Medien? Machen digitale Medien krank?

Tausende von News jeden Tag, E-Mails, Kurznachrichten – Abschalten nahezu unmöglich. Kann das noch gesund sein? Klar ist: Das Internet verändert die Welt – und unsere Gehirne auch. Das verunsichert, macht Angst. Aber ein differenzierter Blick ist wichtig. Neue Medienformen wurden schon immer verteufelt – und schon immer diente die Gesundheit als Argumentationsvehikel für ganz andere Interessen. So käme heute kein Mensch mehr auf die Idee, vor den gesundheitlichen Risiken des Lesens zu warnen. Das war nicht immer so: Um 50 n. Chr. geißelte der römische Philosoph Seneca „die schädliche Wirkung des Viellesens“, und bis ins 18. Jahrhundert attestierte man dem Lesen „körperlich schädigende Eigenschaften“ sowie „eine verderbliche Wirkung, insbesondere auf Kinder und Frauen“. Die gleichen Vorwürfe gibt es immer noch, nur das Medium hat sich geändert. Aber sind digitale Medien nicht viel gefährlicher?

Damit wäre der Ausgangspunkt für die Diskussion erreicht: Was immer sich über die Auswirkungen digitaler Medien auf Körper, Geist und Seele sagen lässt, hängt nicht nur von Fakten ab, sondern immer auch von der Weltsicht der Interpretierenden. Auf der einen Seite die Fortschritts- und Technikgläubigen, auf der anderen Seite Kulturpessimisten wie Neil Postman („Wir amüsieren uns zu Tode“) oder der Hirnforscher Prof. Dr. Dr. Manfred Spitzer, der mit seinem Buch „Digitale Demenz“ die Verblödung des Menschen durch digitale Medien prophezeit. Mit apokalyptischem Zeigefinger hat Spitzer einen Nerv getroffen: Gerade Eltern stehen dem Sog häufig hilflos gegenüber, den Computer, Konsole und Smartphone auf ihre Kinder ausüben. Aufrufe zum Verzicht sind so alt wie die Pädagogik. Und es stimmt: Angesichts der ausufernden Überflutung verspüren viele Menschen die Sehnsucht, abzuschalten, zurückzufinden zu innerer Ruhe und zur Konzentration auf das Wesentliche. Aber ist der Computer wirklich eine Droge – und nur Totalentzug die Lösung?

Die Forschung bietet dazu interessante Erkenntnisse. Trotzdem ist es schwierig, eine ausgewogene Haltung zu finden. „Wie in früheren Phasen der Mediengeschichte wird es lange dauern, bis sich herausstellt, wozu das Neue gut ist und wozu nicht“, sagt der Publizist Hans-Magnus Enzensberger. Oder anders: Ob Medien Sie (oder Ihre Kinder) krank machen, beeinflussen vor allem Sie selbst.

Die digitale Welt ist genauso faszinierend, riskant, schön und schrecklich wie die reale. Es ist immer ein Fehler, sich dem Leben zu verweigern, nur weil es gefährlich werden kann. Aber man sollte sich Risiken bewusst machen und mit ihnen umzugehen lernen.

 

Umgang mit digitalen Medien

Medienkompetenz entwickeln

Computer beim Lernen?

Schadet Multitasking?

Kindliche Hirnentwicklung

Elterntipps

Mehr Informationen

Das Landesmedienzentrum Baden-Württemberg hat eine überaus harsche Stellungnahme zu Manfred Spitzers Thesen veröffentlicht.

Hier als PDF zum Herunterladen.

Elektronische Medien, Computer, Konsole und Mobiltelefon führten geradezu zu einer „Verblödung“, so Manfred Spitzer in seinem Buch „Digitale Demenz“.

Für seine polarisierende Sicht der Dinge wird der Autor scharf kritisiert. Dennoch lohnt es sich, das Buch zu kennen.