Expertenchat am 10. Februar 2020 zum Thema: Psychische Probleme und Verhaltensprobleme bei Kindern und Jugendlichen

Jedes Kind ist mal traurig, ängstlich, wütend oder unkonzentriert, hat Streit mit anderen oder keine Lust auf Schule. Wenn diese Stimmungen oder Verhaltensweisen jedoch häufig auftreten und Sie sich Sorgen machen über die Situation und das Verhalten Ihr Kindes, steckt vielleicht mehr dahinter. Wie erkennen und deuten Eltern Warnzeichen für psychische Probleme richtig? Wie können sie ihr Kind bei Krisen und Verhaltensproblemen unterstützen und wo finden sie Unterstützung? Fachkundigen Rat bekommen Sie bei unserem Expertenchat am 10. Februar.

Der Link zum Expertenchat folgt in Kürze.

Unsere Expertin:

Frauke Riegelsberger ist Dipl. Psych. (Univ.) und Systemische Kinder- und Jugendlichentherapeutin, außerdem Mitglied in der deutschen Gesellschaft für Online-Beratung „Online-Beraterin DGOB“.

Als Vorsitzende im Kinderschutzbund Regensburg kümmert sie sich um junge Menschen zwischen 15 und 21 Jahren, die stationär untergebracht sind und größtenteils eine psychiatrische Diagnose haben. Darüber hinaus ist sie die Initiatorin von kopfhoch.de, einer Online- und Telefonberatung für Jugendliche bis 21 Jahre.

Interview:

Trotz, Stimmungsschwankungen, Aggression und Rückzugsbedürfnis – fast alle Eltern kennen solche oder ähnliche Verhaltensweisen bei ihren Kindern. Wann müssen Eltern aufmerksam werden? Wie erkennen und deuten sie Warnzeichen für psychische Probleme richtig?

Grundsätzlich gilt, dass sich Eltern sofort Hilfe holen sollten, wenn ihnen das Verhalten ihrer Kinder eigenartig vorkommt.

Normalerweise können Eltern, die „dicht dran“ sind an ihren Kindern, gut unterscheiden, ob das Verhalten einfach nur altersgemäß oder bereits problematisch ist. Wenn Eltern sich aber unsicher sind, gibt es immer Möglichkeiten, sich Hilfe von außen zu holen. Die Lehrkräfte und ggfs. die Sozialarbeiter*innen an der Schule können erste Ansprechpartner sein, auch die Erziehungsberatungsstellen beraten zeitnah und niederschwellig.

Ich empfehle aber auch immer den Austausch mit Familienmitgliedern oder Freunden. Ein offenes Gespräch ergibt verschiedene Gesichtspunkte, die dann aber auch entsprechend berücksichtigt werden müssen.

Die erste Maßnahme sollte aber immer das Gespräch mit dem Kind sein. In einem wertschätzenden und vorwurfsfreien Gespräch können Eltern klarmachen, dass sie sich sorgen. Auch wissen die meisten Kinder sehr genau, was sie brauchen. Es ist an den Eltern, die Bedürfnisse der Kinder zu hören und ernst zu nehmen.

Die Spannbreite elterlicher Reaktionen bei Problemen in der Entwicklung oder im Verhalten ihres Kindes ist sehr breit, sie reicht von Bagatellisierung bis hin zur Hysterie. Wie reagiere ich richtig?

Vorbild und Liebe … und das Wissen, dass viele Verhaltensweisen einfach vorbeigehen, das sind die richtigen Reaktionen. Nicht umsonst sind die meisten Eltern beim zweiten Kind gelassener, sie haben gelernt, dass vieles gar nicht so schlimm ist, wie es erstmal aussah.

Bagatellisieren ist falsch, es transportiert die Botschaft, dass den Eltern das Kind egal ist.

Hysterie hat noch nie zu etwas geführt. Den Kindern das Gefühl vermitteln, dass ich mich für sie interessiere, dass sie mir wichtig sind und ich stolz auf sie bin, „dran sein“ am Kind, auch mal nerven, auf wichtige Dinge bestehen und bei unwichtigen Dingen großzügig sein und jeden Machtkampf meiden, das sind die eigentlich ganz einfachen „richtigen“ Verhaltensweisen.


Was können Kinder und Jugendliche tun und wohin können sie sich wenden, wenn sie Unterstützung und Hilfe brauchen, z. B. weil sie bei einem Problem oder bei Konflikten in der Familie nicht weiterwissen?

Wenn es schwierig wird mit den Eltern sind immer die Großeltern oder andere potenzielle Vermittler die allerbeste Option. Meist fühlen die Kinder sich unverstanden und häufig haben sie auch Recht damit. Dann können Großeltern die Vermittlerrolle übernehmen und Eltern und Kindern den Standpunkt des jeweils anderen erklären. Auch Eltern von Freunden oder Freundinnen können diesen Part übernehmen.

Wenn diese Hilfen nicht vorhanden sind oder der Wunsch besteht, mit jemandem von außen zu sprechen, gibt es die Sozialarbeiter*innen an der Schule. Auch an die Erziehungsberatungsstellen dürfen Kinder und Jugendliche sich alleine wenden. In den Jugendzentren arbeiten Sozialarbeiter*innen, die auch über Hilfsangebote informiert sind.

Und dann gibt es natürlich noch die speziellen Beratungsstellen online und telefonisch für junge Menschen bis 21 Jahren, z. B. kopfhoch.de. Dort wird anonym und kostenlos ganz niederschwellig beraten. Die Berater sind Fachkräfte, die selber noch jung und nah an den Kindern und Jugendlichen sind.