Expertenchat am 9. Dezember zum Thema: Achtsamkeit - wie sie uns stark für den Alltag macht

In stressigen Zeiten sehnen wir uns nach Entspannung und innerer Ruhe – und finden sie oft nicht, denn das Abschalten lässt sich nicht erzwingen. Doch es gibt wirksame Mittel und Wege zu mehr Achtsamkeit und tiefer Entspannung. In unserem Expertenchat am 9. Dezember 2019 beraten wir Sie rund um das Thema Achtsamkeit und Entspannung.

Unsere Expertin:

Ulrike Juchmann studierte Psychologie in Marburg und Berlin und ist als psychologische Psychotherapeutin in eigener Praxis in Berlin tätig. Als systemische Lehrtherapeutin, Verhaltenstherapeutin und zertifizierte MBSR Lehrerin verbindet sie Achtsamkeitskonzepte und Psychotherapie. An der Psychologischen Hochschule Berlin lehrt sie als Dozentin und veröffentlicht zahlreiche Fachartikel. Sie bietet MBSR Kurse (achtsamkeitsbasierte Stressbewältigung), MBCT Kurse (Rückfallprophylaxe bei Depressionen) und achtsame Führung im Bereich des Gesundheitsmanagements an.

Interview:

Frage: Was ist eigentlich Achtsamkeit?

Achtsamkeit ist eine menschliche Basisfähigkeit. Sie bedeutet, sich der gegenwärtigen Erfahrung bewusst zu sein und sich selbst, was wir denken und fühlen, zu spüren. Das klingt erstmal abstrakt. Konkret bedeutet es, seine Aufmerksamkeit bewusst zu lenken, z. B. nach innen: Wie geht es mir in diesem Moment? Was brauche ich? Wir können die Aufmerksamkeit auch nach außen lenken: Was sehe ich im Moment, was höre ich? Die innere Achtsamkeit verbindet uns mit uns selbst – die äußere Achtsamkeit mit unserer Umwelt. Denn wir bemerken in der Hektik des Alltags oft gar nicht mehr, was wir gerade erleben und sind nicht in der Gegenwart, sondern grübeln über die Vergangenheit oder planen die Zukunft.


Frage: Wie lässt sich Achtsamkeit schulen?

In jedem Moment können wir achtsam sein, indem wir uns darauf fokussieren, was wir gerade tun oder fühlen. Sie können zum Beispiel einen Moment inne halten beim Lesen und den Atem in Ihrem Körper spüren. Doch meist haben wir unsere Achtsamkeit nicht bewusst trainiert. Durch meditative Übungen in Ruhe und Bewegung lässt sich Achtsamkeit stärken. Ein Achtsamkeitstraining wie das von Jon Kabat-Zinn entwickelte MBSR Training (mindfulness based stress reduction, achtsamkeitsbasierte Stressbewältigung) – wissenschaftlich erforscht und weltanschaulich neutral – ist wie ein Fitnesstraining für den Geist.


Frage: Wie hilft ein Achtsamkeitstraining bei Stress?
 

In unserer heutigen herausfordernden Zeit mit einem schnellen Lebenstempo, permanenter Kommunikation durch Handy, Emails und der Informationsflut im Internet, sind wir oft nicht mehr in der Gegenwart. Der Geist ist zerstreut, wir fühlen uns unruhig, gestresst und überfordert. Für viele Menschen zeigt sich die zunehmende Belastung durch wachsende innere Unruhe. Sie haben das Gefühl „nicht mehr abschalten zu können“. Häufige Infekte, Kopf- und Rückenschmerzen und Schlafstörungen können die Folge sein. Mehr Achtsamkeit kann hier einen heilsamen Gegenpol schaffen – man lernt, innezuhalten, sich wahrzunehmen und den Geist zu beruhigen. Gleichzeitig erkennt man durch die zunehmende Bewusstheit die Signale der Überforderung früher und kann so effektiv handeln.