Tattoos und Piercings: Unter die Haut

Können Tattoos und Piercings der Gesundheit schaden? Über mögliche Risiken wird derzeit in Deutschland diskutiert.

Seit Jahrtausenden setzen Menschen ein Zeichen mit ihrem Körperschmuck. Bis heute ist das so. Tattoos und Piercings erzählen persönliche Geschichten oder sie sind in den Augen ihrer Träger einfach nur schön. Das fängt beim Ohrring an und reicht bis zur Ganzkörper­tätowierung. Was vor Jahrtausenden den sozialen Rang demons­trierte, ist inzwischen in der Mitte der Gesellschaft angekommen. In Deutschland sind mindestens sechs Millionen Menschen tätowiert. Der größte Anteil befindet sich laut Statistik unter den 25- bis 34-Jährigen: Etwa 22 Prozent tragen ein Tattoo, immerhin 52 Prozent sind gepierct (inkl. Ohrschmuck). Der Fantasie sind kaum Grenzen gesetzt.

Die gesellschaftliche Akzeptanz ist Fluch und Segen: Körperschmuck ist nicht länger Stigma gesellschaftlicher Außenseiter, zu denen im Europa des 19. Jahrhunderts beispielsweise Seefahrer oder Sträflinge gehörten. Quer durch die Bevölkerung geht die Vorliebe für das Beständige. Umkehrbar ist die Entscheidung für ein Tattoo oder Piercing in der Regel nicht. Kein Wunder, dass sich die meisten Menschen viel Zeit nehmen, bevor sie ihre Entscheidung treffen – für Motiv, Körperteil oder zu beauftragenden Künstler.    

Mit der Nachfrage ist auch das Angebot gestiegen: Tätowierer und Piercer sind keine gesetzlich geregelten Ausbildungen. Dementsprechend entschlossen gibt sich die Branche, um sich und Verbraucher vor schwarzen Schafen zu schützen. Viele unterstützen die Ausarbeitung von gesetzlichen Standards und Richtlinien in den Bereichen der Hygiene und Studioeinrichtung. Teilweise organisieren sie sich in eigenen Berufsverbänden und arbeiten eng zusammen mit Medien, Gesundheits- und Ordnungsämtern. Sowohl die regelmäßige Teilnahme an fachlichen Schulungen zu Hygienerichtlinien, medizinischen Sachkundenachweisen und Erste-Hilfe-Kursen als auch der rege Erfahrungsaustausch unter Kollegen auf sogenannten Conventions bringen zum Ausdruck, worum es professionell arbeitenden Tätowierern und Piercern geht: Die Freude am lebenslangen Körperschmuck zu erhalten.
Tatsächlich können Tattoos und Piercings gesundheitliche Risiken ­bergen. Zuletzt diskutiert wurde die Qualität der verwendeten Tätowierfarben. Seit 2008 gibt es in Deutschland die Tätowiermittel­verordnung. Inhaltsstoffe müssen seitdem gekennzeichnet werden. Gesundheit­lich bedenkliche Farbstoffe dürfen nicht mehr unter die Haut gelangen. Ein erster Schritt ist damit getan. Die Forderung nach einer Positivliste mit erlaubten Stoffen schließt sich an. Das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit kam 2014 zu einem erfreulichen Ergebnis: In einer Untersuchung von zwölf Tattoofarben von fünf verschiedenen Internetanbietern gab es keinen Anlass zur Beanstandung.

Gesetzliche Bestimmungen regeln auch den Betrieb in professionellen Piercingstudios, beispielsweise um den Nickelgehalt von Piercingschmuck zu beschränken und das Allergierisiko zu senken. Wie beim Tätowieren wird beim Piercen intakte Haut verletzt, sodass Krankheitserreger in den Körper eindringen und ernsthafte Infektionen auslösen können. Ebenso gefürchtet sind Empfindungs- und Funktionsstörungen, zu denen es nach dem Einsetzen des Piercings kommen kann. In der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) spricht man von ­Energielinien, den Meridianen, die den Körper direkt unter der Haut durchlaufen. Um Verletzungen zu verhindern, ist Präzisions­arbeit im Zehntelmillimeterbereich gefragt. Nur erfahrene Piercer, die Kenntnis über die Nervenbahnen im Körper besitzen, sind dazu in der Lage.

Körperschmuck ist Vertrauenssache und gehört nicht in unseriöse Hände. Wer mit dem Gedanken spielt, seinen Körper mit einem Tattoo oder Piercing zu verschönern, braucht vor allem Informationen. Diese gibt es in Fachzeitschriften, auf Websites, in Studios – und zuletzt im ausführlichen Beratungsgespräch vor Ort.

Nahaufnahme verschiedener Piercings und Tattoos

Die hygienischen Standards beim Tätowieren und Piercen sollten denen von ambulanten Operationen ähneln. Folgende Qualitätsmerkmale sind wichtig:

  • alle an der Haut oder Schleimhaut eingesetzten Geräte und Instrumente wurden sterilisiert
  • Haut- und Schleimhautoberflächen werden vor dem Eingriff ­desinfiziert
  • beim Eingriff werden konsequent sterile Einmal­hand­schuhe getragen
  • Ablageflächen werden vor und nach dem Eingriff desinfiziert
  • Abfälle (z. B. Hohlnadeln) werden sachgemäß entsorgt

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Tätowieren und Piercen sind Eingriffe, die nach § 223 Strafgesetzbuch (StGB) den Tatbestand der Körperverletzung erfüllen. Die Rechtswidrigkeit entfällt durch die schriftliche Einverständniserklärung, die der ­Kunde gibt. Zuvor muss er in einem ausführlichen Beratungsgespräch über die gesundheitlichen Risiken aufgeklärt worden sein.