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Pflegeversicherung –

alles Wichtige ab 2017

Pflegeversicherung – Für viele mehr Leistungen

Das Zweite Pflegestärkungsgesetz (PSG II) ist am 1. Januar 2016 in Kraft ge­treten. Die Umstellung der Pflege­stufen auf Pflegegrade wird zum 1. Januar 2017 wirksam. Die wichtigsten Neuerungen hier für Sie im Überblick.

1995 wurden die Pflegestärkungsgesetze in Deutschland auf den Weg gebracht, um die Situation von Pflegebedürftigen, Angehörigen und Menschen, die in der Pflege arbeiten, zu verbessern. Mit dem am 1. Januar 2016 in Kraft getretenen Zweiten Pflegestärkungsgesetz ist jetzt ein neuer Pflegebedürftigkeitsbegriff eingeführt worden. Daraus resultiert auch ein neues Begutachtungsverfahren, das der Medizinische Dienst der Krankenversicherung (MDK) einleitet, um die Pflegebedürftigkeit einer Person festzustellen und sie zukünftig in fünf Pflegegrade einzustufen.

Nach den Neuregelungen gelten Personen als pflegebedürftig, die in ihrer Selbstständigkeit beeinträchtigt sind oder sogenannte Fähigkeitsstörungen aufweisen. Die Pflegebedürftigkeit muss auf Dauer, voraussichtlich für mindestens sechs Monate, bestehen. Der zeit­liche Aufwand der Pflege wird zur Beurteilung der Pflegebedürftigkeit nicht mehr herangezogen. Körperlich, kognitiv und psychisch beeinträchtigte Menschen werden damit bei der Begutachtung und Einstufung sowie dem Leistungsbezug gleichgestellt. Um das Zweite ­Pflegestärkungsgesetz mit den damit verbundenen Leistungsver­besserungen zu finanzieren, wird der Beitrag zur Pflegeversicherung ab 2017 um 0,2 Prozentpunkte auf 2,55 Prozent bzw. auf 2,80 Prozent für Kinderlose steigen.

Übersicht über die Leistungen nach Pflegegraden:

Pflegegrad Sachleistung Pflegegeld Vollstationäre Leistungen Leistungen der Tages­pflege Entlastungs­betrag
1 125 € 125 €
2 689 € 316 € 770 € 689 € 125 €
3 1.298 € 545 € 1.262 € 1.298 € 125 €
4 1.612 € 728 € 1.775 € 1.612 € 125 €
5 1.995 € 901 € 2.005 € 1.995 € 125 €

 

Leistungen für private Pflegepersonen

Die Pflegeversicherung zahlt zukünftig auch Rentenbeiträge und ­Beiträge zur Arbeitslosenversicherung. Das gilt für alle, die einen Pflegebedürftigen im Pflegegrad 2 bis 5 mindestens zehn Stunden wöchentlich, verteilt auf mindestens zwei Tage, zu Hause betreuen. Die Rentenbeiträge steigen mit zunehmender Pflegebedürftigkeit.
Unterbrechen Pflegepersonen ihre Beschäftigung oder geben diese auf, zahlt die Pflegeversicherung für die gesamte Dauer der Pflege­tätigkeit die Beiträge zur Arbeitslosenversicherung, damit pflege­bedürftige Angehörige versorgt werden können. Endet die Pflegetätigkeit und ist ein nahtloser Wiedereinstieg in den Beruf nicht möglich, haben Pflegepersonen Anspruch auf Arbeitslosengeld und Leistungen der aktiven Arbeitsförderung. Dies gilt auch für diejenigen, die einen Leistungsbezug aus der Arbeitslosenversicherung für die Pflege unterbrechen.

Außerdem sind Pflegepersonen über die gesetzliche Unfallversicherung abgesichert, die alle Bereiche abdeckt, die für die Feststellung von Pflegebedürftigkeit berücksichtigt werden. Hilfen bei der Haushaltsführung sind dabei inbegriffen.

Verhinderungspflege

Ist eine Pflegeperson (z. B. Angehörige, Bekannte) an der Pflege eines Pflegebedürftigen ab dem Pflegegrad 2 gehindert, werden die Kosten einer Ersatzpflege für längstens sechs Wochen je Kalenderjahr übernommen, und zwar in Höhe von bis zu 1.612 Euro. Des Weiteren können bis zu 50 Prozent (bis zu 806 Euro) des Leistungsbetrages für die Kurzzeitpflege zusätzlich für die Verhinderungspflege ausgegeben werden.

Kurzzeitpflege

Kann die häusliche Pflege eines Pflegebedürftigen ab dem Pflegegrad 2 nicht, noch nicht oder nicht im erforderlichen Umfang erbracht werden und reicht auch teilstationäre Pflege nicht aus, besteht Anspruch auf Pflege in einer vollstationären Einrichtung. Der Anspruch besteht für maximal vier Wochen pro Kalenderjahr. Übernommen werden die pflegebedingten Aufwendungen bis zum Gesamtbetrag von 1.612 € im Kalenderjahr. Nicht verbrauchte ­Leistungsbeträge aus der Verhinderungspflege können auch für Leistungen der Kurzzeitpflege eingesetzt werden. Dadurch kann der Leistungsbetrag der Kurzzeitpflege auf bis zu 3.224 € verdoppelt werden.
 
Für zum Verbrauch bestimmte Pflegehilfsmittel kann für alle Pflege­bedürftigen monatlich ein Betrag von 40 € gewährt werden. Bis zu 4.000 € können unter bestimmten Voraussetzungen für wohn­umfeldverbessernde Maßnahmen eingesetzt werden.
 

Übergang von Pflegestufen zu Pflegegraden

Pflegebedürftige, die nach dem alten System bereits eingestuft waren, werden aus ihrer bisherigen Pflegestufe automatisch in den jeweils höheren Pflegegrad überführt. Menschen, die in ihrer Alltagskompetenz eingeschränkt sind, weil sie neben dem Hilfebedarf im Bereich der Grundpflege und der hauswirtschaftlichen Versorgung einen erheblichen Bedarf an allgemeiner Beaufsichtigung und Betreuung erkennen lassen, werden zwei Pflegegrade höher ein­gestuft. Dazu gehören Pflegebedürftige der Pflegestufen I, II oder III mit demenzbedingten Fähigkeitsstörungen, mit geistigen Behinderungen oder psychischen Erkrankungen. Im Grundsatz gilt bei den Neuregelungen, dass niemand durch die Umstellung schlechter- gestellt wird. Bitte beachten Sie: Eine neue Antragstellung ist nicht erforderlich.

Übersicht über die Einstufung von Personen, die vor dem 1. Januar 2017 bereits Leistungen bezogen haben:

Pflegestufe bis 31.12.2016 Überleitung in Pflegegrad ab 01.01.2017
0 mit eingeschränkter Alltagskompetenz 2
I 2
I mit eingeschränkter Alltagskompetenz 3
II 3
II mit eingeschränkter Alltagskompetenz 4
III 4
III mit eingeschränkter Alltagskompetenz 5