Das Leben in die Hand nehmen: Eigenverantwortung ist gesund

Auch wenn es vielleicht erst einmal Angst macht: Verantwortung zu übernehmen, ist gesund – vor allem die Verantwortung für sich selbst und sein Leben. Denn wer das tut, fühlt sich auch verantwortlich für die eigene körperliche und mentale Gesundheit und sorgt für sich. Auch das Gegenteil ist übrigens der Fall: Wer sich zu sehr von anderen leiten lässt, beschränkt seinen Handlungsspielraum – und das verursacht im Extremfall körperlichen und seelischen Stress.

Kurz gesagt: Eigenverantwortung heißt, das eigene Handeln bewusst wahrzunehmen und den Spielraum zu nutzen, den Sie haben. Es geht nicht darum, alles allein zu stemmen. Es geht darum, eigene Bedürfnisse und Grenzen zu erkennen, bewusster zu entscheiden und im Alltag gut für sich zu sorgen. Häufig wird dafür auch der Begriff Selbstverantwortung verwendet.

Was bedeutet Eigenverantwortung im Alltag? 

Im Alltag zeigt sich Eigenverantwortung selten in großen Entscheidungen. Sie zeigt sich im Kleinen: Sagen Sie den dritten Termin an diesem Abend zu? Sprechen Sie an, dass die Aufgaben im Team ungleich verteilt sind? Gehen Sie mit den Rückenschmerzen in die Praxis oder warten Sie noch eine Woche? Selbstverantwortung bedeutet, solche Momente überhaupt als Entscheidungsmöglichkeit wahrzunehmen. Vieles im Leben lässt sich nicht steuern, beispielsweise die Erkrankung eines Angehörigen, eine Umstrukturierung im Betrieb oder dass Sie die Miete zahlen müssen. Aber fast immer bleibt ein Rest an Spielraum. Wie Sie damit umgehen, was Sie ansprechen, worum Sie bitten. Diesen Rest zu erkennen und zu nutzen, ist der Kern von Eigenverantwortung.

Eigenverantwortung stärkt das Selbstbewusstsein

Sie kennen das vielleicht: Manchmal fühlt man sich total fremdbestimmt. Ob Familie oder Vorgesetzte, Auftraggeber oder Kunden: Häufig kapern andere unser Leben. So fühlt es sich zumindest an. Zu all den Dingen, die man gerne gemacht hätte, kommt man gar nicht. Oder, noch schlimmer: Wir müssen Dinge erledigen, die wir nur sehr ungern tun. Die Folgen: Frust, Unlust und das Gefühl der Ausweglosigkeit. Und schon sind wir in der Opfer-Rolle, fühlen uns ausgeliefert und ferngesteuert. Dauerhafte Fremdbestimmung und anhaltender Stress können die psychische Gesundheit belasten und das Risiko für Erschöpfung oder depressive Beschwerden erhöhen.

Die Gesundheitsforschung beschäftigt sich seit Langem damit, wie sich das Gefühl auswirkt, das eigene Leben beeinflussen zu können. Untersuchungen zeigen einen Zusammenhang: Menschen, die sich als selbstwirksam erleben, berichten im Schnitt über ein besseres körperliches und psychisches Befinden und über mehr Lebenszufriedenheit. Ein Zusammenhang ist allerdings noch keine Ursache. Wer sich gesund fühlt, erlebt sich vermutlich auch eher als handlungsfähig – und umgekehrt.

Eigenverantwortlich zu handeln heißt auch: Sie entscheiden selbst – und tragen die Folgen mit. Das kann unbequem sein, denn wer entscheidet, kann auch danebenliegen. Zugleich liegt genau darin die Freiheit, das zu tun und zu lassen, was Sie für richtig halten. Das macht unabhängiger von den Erwartungen anderer und stärkt das Selbstbewusstsein. Woher dieses Selbstbewusstsein kommt und wie es sich stärken lässt, lesen Sie in unserem Artikel zum Thema Selbstbewusstsein.

Wie kann ich mehr Selbstverantwortung übernehmen? 

Selbstverantwortung übernimmt man selten in einem großen Schritt. Meistens entsteht sie aus vielen kleinen. Ein guter Anfang ist die Frage: Was liegt gerade wirklich bei mir? Manches lässt sich nicht ändern. Anderes schon, aber es fällt nicht auf, solange niemand hinschaut. Wer regelmäßig innehält und die eigenen Bedürfnisse ernst nimmt, erkennt diese Stellen leichter. Der zweite Schritt: bewusst entscheiden statt mitlaufen. Auch ein Nein ist eine Entscheidung. Der dritte: Unterstützung annehmen. Eigenverantwortung heißt nicht, alles selbst zu machen. Sich Hilfe zu holen, ist selbst eine eigenverantwortliche Entscheidung. Wie sich das im Alltag umsetzen lässt, zeigen die fünf Impulse weiter unten.

Wie Eigenverantwortung die seelische Gesundheit unterstützen kann

Wenn wir Selbstverantwortung übernehmen, achten wir stärker auf unsere Bedürf­nisse, unsere Ernährung und Gesundheit. Wir treffen bewusstere Entschei­dungen und setzen uns eigene Lebensziele. Das ist mitunter anstrengend, kann aber das Gefühl stärken, den eigenen Alltag mitzugestalten. In der Gesundheitsförderung gilt diese erlebte Handlungsfähigkeit als wichtige persönliche Ressource.

5 Tipps für mehr Eigenverantwortung im Alltag

Reflektieren Sie sich selbst

Nehmen Sie sich regelmäßig ein paar Minuten Zeit. Was hat mir heute gutgetan? Was hat Kraft gekostet? Wo habe ich mich fremdbestimmt gefühlt? Es geht nicht darum, alles zu bewerten. Schon das Hinschauen macht Muster sichtbar. Und Muster sind der Ansatzpunkt, wenn Sie etwas verändern möchten.

Setzen Sie sich klare Ziele

Große Vorsätze scheitern oft an ihrer Größe. Hilfreicher sind Ziele, die klein genug für eine normale Woche sind: einmal früher Feierabend, ein Spaziergang statt Nachrichten-Scrollen, ein Anruf, den Sie vor sich herschieben. Jedes erreichte Ziel ist ein Beleg dafür, dass sich etwas bewegen lässt und genau dieser Beleg trägt beim nächsten Mal.

Kümmern Sie sich um sich selbst

Selbstfürsorge klingt nach Luxus, ist aber Grundlage. Wer dauerhaft zu wenig schläft, sich kaum bewegt und keine Pausen macht, hat weniger Kraft für Entscheidungen. Fangen Sie mit dem Bereich an, der Ihnen am leichtesten fällt. Ein einigermaßen fester Schlafrhythmus wirkt meist mehr als drei neue Vorsätze gleichzeitig.

Treffen Sie bewusste Entscheidungen

Vieles entscheiden wir nebenbei – aus Gewohnheit oder weil gerade jemand fragt. Ein kurzes Innehalten hilft: Was spricht dafür, was dagegen? Will ich das eigentlich? Sie müssen nicht sofort antworten. „Ich melde mich morgen dazu“ ist eine vollwertige Antwort.

Setzen Sie Grenzen

Grenzen zu setzen fällt vielen schwer. Dabei muss ein Nein nicht schroff sein. Oft reicht ein Satz, der die Grenze benennt und eine Alternative anbietet: „Heute schaffe ich das nicht mehr, morgen früh gern.“ Wer die eigenen Grenzen kennt und ausspricht, schützt die eigenen Kräfte.

Eigenverantwortung heißt nicht, alles allein schaffen zu müssen

Eigenverantwortung wird manchmal als Aufforderung, alles selbst zu regeln, missverstanden. Oder als Hinweis, dass man an einer schwierigen Lage eben selbst schuld sei. Beides trifft nicht zu. Wie viel Spielraum jemand hat, hängt nicht nur von der eigenen Haltung ab. Pflegeaufgaben, gesundheitliche Einschränkungen, finanzielle Enge, ein Job ohne Gestaltungsmöglichkeiten: All das begrenzt reale Handlungsmöglichkeiten. 

Eigenverantwortung heißt dann, den Spielraum zu nutzen, der da ist. Nicht, einen zu erfinden, der fehlt. Dazu gehört auch, sich Unterstützung zu holen. Das ist im Gespräch mit Freundinnen und Freunden, in der Hausarztpraxis, bei einer Beratungsstelle oder in einer Psychotherapie möglich. Wenn Belastung über Wochen anhält, der Schlaf leidet oder nichts mehr Freude macht, ist ärztlicher oder psychotherapeutischer Rat der nächste sinnvolle Schritt und keine Frage von Stärke oder Schwäche. 

Woran Sie erkennen, dass Belastung zum Dauerzustand geworden ist, lesen Sie in unserem Artikel zu toxischem Stress.

Häufige Fragen zur Eigenverantwortung

Was bedeutet Eigenverantwortung?

Eigenverantwortung bedeutet, das eigene Handeln und die eigenen Entscheidungen bewusst wahrzunehmen – einschließlich der Folgen. Gemeint ist nicht, alles allein zu schaffen, sondern den vorhandenen Handlungsspielraum zu erkennen und zu nutzen. Häufig wird dafür auch der Begriff Selbstverantwortung verwendet.

Wie kann man Eigenverantwortung übernehmen?

Hilfreich ist ein Dreischritt: die eigenen Bedürfnisse und Grenzen wahrnehmen, bewusst entscheiden statt mitlaufen und im Alltag kleine, machbare Schritte gehen. Dazu gehört auch, Unterstützung anzunehmen, wenn eine Situation allein nicht gut zu bewältigen ist.

Warum ist Eigenverantwortung wichtig?

Wer die eigenen Handlungsmöglichkeiten kennt, fühlt sich weniger ausgeliefert und kann den Alltag aktiver gestalten. Das erleichtert bewusste Entscheidungen und macht es leichter, gut für sich zu sorgen.

Wie kann man Eigenverantwortung stärken?

Nützlich sind kleine erreichbare Ziele, regelmäßige Selbstreflexion, bewusste Entscheidungen und klar benannte Grenzen. Entscheidend ist weniger die einzelne Methode als die Regelmäßigkeit.

Zum Weiterlesen

Zufriedener werden: 4 Übungen für den positiven Blick

Körper & Seele

Zufriedenheit ist nicht nur angenehm – sie ist ein wichtiger Faktor für unsere Gesundheit. Ein positives Lebensgefühl kann beispielsweise das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Herzinfarkte, Bluthochdruck oder Schlaganfälle senken. Und so trainieren Sie es.

Selbstbewusstsein: Wo es herkommt und wie Sie es stärken können

Körper & Seele

Es gibt diese Menschen, die vor Selbstbewusstsein nur so strotzen. Kein Berg zu hoch, kein Weg zu weit. Woher kommt dieser Glaube an sich selbst? Selbstbewusstsein heißt, ein klares Bild von sich zu haben – von den eigenen Stärken, Grenzen und Bedürfnissen. Es wächst aus Selbstvertrauen und Selbstwertgefühl. Und es lässt sich stärken. Wer sich selbst besser versteht, kann sicherer entscheiden und den eigenen Wert weniger von äußeren Urteilen abhängig machen. Wir erklären, wie das gelingen kann.

Toxischer Stress – wenn unser Gehirn auf Dauerkrise schaltet

Gesundheit

Termindruck, Dauererreichbarkeit, ein nie abreißender Nachrichtenstrom: Wenn Belastung zum Dauerzustand wird und Erholung fehlt, sprechen Fachleute von toxischem Stress – einer Stressform, die Körper und Psyche krank machen kann. In diesem Artikel erfahren Sie, was dabei in Ihrem Gehirn passiert, woran Sie toxischen Stress erkennen und mit welchen Strategien Sie gegensteuern können.

Ihr Kontakt zu uns

Postfach 10 01 60
85001 Ingolstadt

Letzte Aktualisierung