Unsere mentale Gesundheit wird manchmal ganz schön strapaziert. Unter dem Begriff Psychohygiene werden Maßnahmen verstanden, die dem Schutz und dem Erhalt unserer psychischen Gesundheit dienen.
Hektik, Krisenstimmung und Termindruck: Unsere schnelllebige Welt zieht uns mitunter in einen Strudel aus Stress und Überforderung. Umso wichtiger ist es, achtsam mit der eigenen mentalen Gesundheit umzugehen. Wir geben Ihnen Tipps, wie das gelingen kann.
Was ist Psychohygiene? Definition und Bedeutung
Psychohygiene bezeichnet alle Maßnahmen, die unsere psychische Gesundheit schützen und erhalten – ähnlich wie Körperpflege für den Körper. Dazu zählen Gewohnheiten und Rituale, die helfen, mit Stress und Belastungen umzugehen und das seelische Gleichgewicht zu bewahren. Gebräuchlich sind auch die Begriffe seelische, psychische oder geistige Hygiene.
8 Tipps für eine gute Psychohygiene
1. Sich Zeit für sich selbst nehmen
Ob ein Spaziergang, ein ausgedehntes Bad oder eine Schmökerstunde: Nehmen Sie sich Zeit nur für sich selbst und pflegen Sie Ihre eigenen Bedürfnisse. Verbringen Sie Zeit mit Aktivitäten, die Ihnen Freude bereiten.
2. Kreativität bewusst nutzen
Kreative Aktivitäten bauen Stress ab: Malen, Zeichnen, Schreiben oder andere kreative Tätigkeiten bringen Freude und beruhigen unseren Geist.
3. Zeit in der Natur verbringen
Die Natur ist ein Seelenwärmer: Gehen Sie spazieren oder wandern, atmen Sie frische Luft und beobachten Sie die Natur. Zeit in der Natur zu verbringen, hilft dabei, sich zu erden und mal richtig „runterzukommen“
4. Nein sagen lernen
Einfach mal „Nein“ sagen: Eine gesunde Grenzziehung schützt vor Überforderung und Stress. Wenn Sie etwas nicht tun möchten oder Ihnen etwas zu viel wird, ist es völlig in Ordnung, „Nein“ zu sagen.
5. Beziehungen pflegen
Es geht nichts über gute Beziehungen: Pflegen Sie den Austausch mit Menschen, die Sie mögen. Das macht Spaß und hält mental gesund.
6. Auf Ernährung achten
Der Mensch ist, was er isst: Achten Sie auf eine gesunde Ernährung. Ausreichend Obst, Gemüse und gesunde Fette sind nicht nur gut für den Körper, sondern halten uns auch mental fit.
7. Bewegung in den Alltag bringen
Bewegung, Bewegung, Bewegung: Körperliche Aktivität macht auch die Seele froh. Suchen Sie sich eine Aktivität, die Ihnen Spaß macht und bewegen Sie sich so oft wie möglich.
8. Eins nach dem anderen tun
Eins nach dem anderen: Multitasking funktioniert selten, führt aber zuverlässig zu Überforderung. Vermeiden Sie unnötigen Stress und konzentrieren Sie sich immer auf das, was sie gerade tun. Wann Stress toxisch werden kann, lesen Sie in unserem Artikel zum Thema.
Viele Achtsamkeitsübungen lassen sich ganz einfach in den Alltag einbauen. So können Sie zwischendurch entspannen und Druck abbauen:
Konzentrieren Sie sich für ein paar Minuten auf Ihre Atmung. Atmen Sie tief ein und aus und versuchen Sie, Ihre Gedanken loszulassen.
Schließen Sie für ein paar Minuten die Augen und konzentrieren Sie sich auf Ihren Körper. Beginnen Sie am Kopf und arbeiten Sie sich langsam bis zu den Füßen vor, indem Sie jedes Körperteil nacheinander bewusst spüren. Wer tiefer entspannen möchte, kann es auch mit progressiver Muskelentspannung versuchen. Das ist eine einfache Methode, um Anspannung gezielt zu lösen.
Essen Sie bewusst und konzentrieren Sie sich auf den Geschmack, das Aroma und die Textur des Essens. Nehmen Sie sich Zeit und genießen Sie jede Mahlzeit.
Gehen Sie bewusst und konzentrieren Sie sich auf jeden Schritt. Spüren Sie den Boden unter Ihren Füßen und achten Sie auf Ihre Umgebung.
Nehmen Sie sich Zeit, um sich auf die Dinge zu konzentrieren, für die Sie dankbar sind. Sie können dies am Morgen tun, bevor Sie aus dem Bett aufstehen, oder am Abend, bevor Sie ins Bett gehen. Wer regelmäßig den Blick fürs Positive trainiert, stärkt damit auch das seelische Gleichgewicht.
Beobachten Sie Ihre Gedanken und Emotionen, ohne sie zu bewerten oder zu beurteilen. Versuchen Sie, einfach zu beobachten, was in Ihnen vor sich geht.
Machen Sie regelmäßig Pausen und nehmen Sie sich Zeit für sich selbst. Legen Sie Ihr Handy weg, schalten Sie den Computer aus und machen Sie etwas, das Ihnen Freude bereitet.
Die meisten von uns legen viel Wert auf Ordnung. Wenn einmal Unordnung herrscht, räumen wir auf – mit Psychohygiene können Sie dies auch auf Ihre Gedanken und Empfindungen übertragen.
Häufige Fragen zur Psychohygiene
Der deutsche Begriff geht auf den Psychiater Robert Sommer zurück, der ihn um 1900 verwendete. International ist die verwandte „mental hygiene“-Bewegung sogar noch etwas älter. Gemeint war von Anfang an dasselbe Grundprinzip, nämlich die eigene Psyche bewusst zu schützen und zu pflegen, bevor Belastungen überhandnehmen.
Psychohygiene ist der Oberbegriff für alle Maßnahmen, die die seelische Gesundheit schützen. Gedankenhygiene meint einen Teilaspekt davon: den bewussten Umgang mit den eigenen Gedanken, etwa um Grübeln oder ein Gedankenkarussell zu unterbrechen. Mentale Gesundheit wiederum beschreibt den Zustand, den man mit Psychohygiene pflegt. Begriffe wie seelische oder geistige Hygiene werden meist gleichbedeutend mit Psychohygiene verwendet.
Das ist sehr individuell. Manche Übungen, etwa bewusstes Atmen oder eine kurze Pause, können schon im Moment beruhigend wirken. Ein spürbar stabileres seelisches Gleichgewicht stellt sich in der Regel aber erst durch Regelmäßigkeit über mehrere Wochen ein. Psychohygiene ist weniger eine einmalige Maßnahme als eine dauerhafte Gewohnheit.
Mögliche Anzeichen sind anhaltende Erschöpfung, Schlafprobleme, häufiges Grübeln, innere Unruhe oder das Gefühl, sich zurückzuziehen. Solche Signale sind ein guter Anlass, bewusster auf sich zu achten. Halten Beschwerden über längere Zeit an oder belasten den Alltag stark, ist es ratsam, ärztlichen oder psychotherapeutischen Rat einzuholen. Psychohygiene ersetzt keine Behandlung, kann sie aber sinnvoll ergänzen.
Ja. Gerade bei hoher Arbeitsbelastung, Zeitdruck oder Berufen mit viel zwischenmenschlichem Kontakt hilft regelmäßige Psychohygiene, Stress aufzufangen und Überforderung vorzubeugen. Viele der hier beschriebenen Übungen lassen sich auch in kurze Pausen während des Arbeitstags einbauen.



