Offener Brief der Audi BKK, AUDI AG und Gesamtbetriebsrat an Bundesgesundheitsministerin und Bayerns Ministerpräsidenten
Die Unterzeichner widersprechen dieser Einschätzung und verweisen auf die langjährige gemeinsame Praxis. Die Audi BKK betreut rund 95 Prozent der Beschäftigten der AUDI AG, obwohl sie bundesweit geöffnet ist. Für die Verfasser ist dies ein klarer Beleg für funktionierende, arbeitgebernahe Prävention. „Entscheidend ist nicht der Status einer Krankenkasse, sondern die Qualität der Zusammenarbeit zwischen Arbeitgeber, Kasse und Belegschaft“, heißt es im Schreiben. Als Beispiele führen die Verantwortlichen unter anderem eine unternehmensweite Mental-Health-Initiative sowie wissenschaftliche evaluierte Präventionsangebote an, die im Arbeitsumfeld verankert sind.
Im Appell an die Bundesgesundheitsministerin Nina Warken bitten die Unterzeichner „bei der bevorstehenden Diskussion um eine Reform des GKV-Systems und mögliche Mindestgrößenregelungen für Kassen die Leistungsfähigkeit geöffneter Betriebskrankenkassen nicht zu unterschätzen“. Mit dem Schreiben ist die Einladung an den Bayerischen Ministerpräsidenten Dr. Markus Söder verbunden, sich am Standort Ingolstadt persönlich von diesem Modell zu überzeugen.
Untenstehend der Brief im Wortlaut – dieser wurde mit Unterschriften an die Gesundheitsministerin und den Bayerischen Ministerpräsident verschickt.
Offen und trotzdem besser!
Sehr geehrte Frau Bundesministerin,
sehr geehrter Herr Ministerpräsident,
mit großem Interesse haben wir das jüngst veröffentlichte Interview in der BILD zur Kenntnis genommen, in dem Frau Bundesministerin Warken die These aufgestellt hat, dass ein gezieltes betriebliches Präventionsangebot im Wesentlichen nur von geschlossenen Betriebskrankenkassen erbracht werden könne. Also von solchen Kassen, deren Mitgliedschaft auf einen bestimmten Arbeitgeber oder eine Branche beschränkt ist.
Wir sehen uns in der Verantwortung, dieser Einschätzung auf Basis eigener, in der Praxis bewährter Erfahrungen entgegenzutreten. Die Audi BKK ist seit dem Jahr 2010 eine geöffnete Betriebskrankenkasse. Bundesweit zugänglich, mit über 800.000 Versicherten an 28 Standorten. Und dennoch: Rund 95 Prozent der Beschäftigten der AUDI AG sind bei ihr versichert. Dieses Vertrauen ist kein Zufall. Es ist das Ergebnis einer jahrelangen, gemeinsam gestalteten und zielgerichteten Präventionsstrategie, die wir Ihnen im Folgenden darlegen möchten.
Gezielte Prävention trotz offener Kassenstruktur: „Jede_r hat Psyche“
Das Argument, dass nur geschlossene Kassen eine arbeitgeberbezogene Prävention leisten könnten, greift zu kurz. Entscheidend ist nicht der rechtliche Status einer Kasse, sondern die Qualität der Zusammenarbeit zwischen Arbeitgeber, Kasse, Betriebsrat und medizinischem Fachpersonal.
Seit 2019 arbeiten die AUDI AG und die Audi BKK gemeinsam mit dem Betriebsrat und dem Klinikum Ingolstadt im Rahmen der Initiative „Jede_r hat Psyche – Warum nicht darüber reden!“ an der Entstigmatisierung psychischer Erkrankungen im Unternehmen. Durch Gesprächsrunden, Infostände, Podcasts und Seminare wurde psychische Gesundheit gezielt zum Thema gemacht. Dies ist kein generisches Kassenangebot. Es ist maßgeschneiderte, arbeitsstattbezogene Prävention in Reinform.
Mental Health Check-up: Wissenschaftlich fundiert, betrieblich verankert
Aufbauend auf der Entstigmatisierungskampagne wurde das bestehende Audi Check-up-Konzept um einen Mental-Health-Check-up erweitert. Dieser wurde von AUDI-eigenen Mental-Health-Experten entwickelt und in Zusammenarbeit mit der Technischen Universität Chemnitz evaluiert. Die Ergebnisse sind eindeutig: Es konnten signifikante Reduktionen von Belastungssymptomen bei den Teilnehmenden nachgewiesen werden. Das Angebot ist für alle Mitarbeitenden verfügbar und damit Bestandteil des regulären Vorsorgeprogramms. Finanziert und mitgetragen von der geöffneten Audi BKK.
Health Guides: Prävention direkt in den Fachbereichen
Im Rahmen der Mental-Health-Initiative hat die AUDI AG ein Pilotprojekt für sogenannte Health Guides (Gesundheitslotsen) ins Leben gerufen. Ein Projekt, an dem die Audi BKK von Beginn an als festes Kernteammitglied beteiligt ist. Die Gesundheitslotsen tragen Präventionsthemen direkt in einzelne Fachbereiche, stärken die Team- und Persönlichkeitsresilienz und fungieren als erste Anlaufstelle im betrieblichen Alltag. Mittlerweile ist diese Rolle fest im betrieblichen Gesundheitsmanagement der AUDI AG verankert. Ein Ergebnis, das nur durch die enge Kooperation zwischen Arbeitgeber und geöffneter Betriebskrankenkasse möglich wurde.
Weiteres Präventionsspektrum der Audi BKK
Das Präventionsengagement der Audi BKK beschränkt sich nicht auf Mental Health. Beispielhaft seien folgende Programme erwähnt:
- Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastungen am Arbeitsplatz sowie Führungskräfteformate wie „Führungskräfte-Dialog“ und „Im Kontakt mit Psyche“
- Sucht-, Bewegungs-, Ernährungs- und Ergonomieprävention als weitere Säulen eines ganzheitlichen betrieblichen Gesundheitsmanagements
- Blue Marble Health – Nachhaltigkeits- und Präventionsprogramm, ausgezeichnet mit dem Deutschen Award für Nachhaltigkeitsprojekte 2024
Auszeichnungen als Beleg für Wirksamkeit
Die Qualität dieser Zusammenarbeit wurde extern anerkannt: Die AUDI AG ist das erste Unternehmen der Automobilbranche, das mit dem Deutschen Siegel Unternehmensgesundheit in Gold ausgezeichnet wurde. Einer Zertifizierung, die unter anderem vom BKK Dachverband und der TU Chemnitz entwickelt wurde und die Wirksamkeit eines betrieblichen Gesundheitsmanagements bewertet. Zusätzlich zählt die Audi BKK gemäß Kundenmonitor 2024 und 2025 zu den Kassen mit den zufriedensten Versicherten deutschlandweit.
Unser Appell
Das Beispiel der Audi BKK zeigt: Die Offenheit einer Kasse steht zielgerichteter, betrieblicher Prävention nicht im Wege. Was gute Prävention ermöglicht, ist nicht der Kassenstatus, sondern Vertrauen, Kooperation und eine gemeinsam getragene Gesundheitskultur zwischen Arbeitgeber, Kasse und Belegschaft.
Wir bitten Sie daher, Frau Bundesministerin Warken, bei der bevorstehenden Diskussion um eine Reform des GKV-Systems und mögliche Mindestgrößenregelungen für Kassen die Leistungsfähigkeit geöffneter Betriebskrankenkassen nicht zu unterschätzen. Ergänzend laden wir Sie, Herr Ministerpräsident Dr. Markus Söder, herzlich ein, sich am Standort Ingolstadt persönlich von diesem Modell zu überzeugen.
Die Audi BKK und die AUDI AG stehen für ein Gespräch und eine Besichtigung der Gesundheitsinfrastruktur jederzeit zur Verfügung.
Mit freundlichen Grüßen
Jörg Schlagbauer
Vorsitzender des Gesamtbetriebsrat AUDI AG
Vorsitzendes des Verwaltungsrats Audi BKK
Javier Ros Hernández
Mitglied des Vorstands Personal, Arbeitsdirektor AUDI AG
Dr. Anja Schramm
Vorstandsvorsitzende Audi BKK