Expertenchat am 11. Juni 2018 zum Thema "Gesundheitswandern: Sportlich aktiv bei Gelenkbeschwerden"

Menschen mit Gelenkschmerzen fällt es oft schwer, sportlich aktiv zu bleiben. Dabei kann Bewegung Beschwerden vorbeugen und sogar Schmerzen lindern. Vor allem Wandern hat sich dabei als gelenkschonender Sport bewährt. Was eine gelenkschonende Wanderung ausmacht und worauf man dabei achten sollte, erfahren Interessierte von unserem Experten am 11. Juni ab 20:30 Uhr.

Die Expertin

Annette Diercks hat eine Ausbildung zur Physiotherapeutin im Oskar-Helene-Heim in Dahlem absolviert. Heute arbeitet sie als freiberufl iche Physiotherapeutin und Heilpraktikerin in Berlin. Außerdem hat Frau Diercks mehrere Fortbildungen absolviert – unter anderem zur zertifizierten Gesundheitswanderführerin und zur Trainerin für Walking und Nordic Walking. Seit 2013 ist Frau Diercks Referentin des Deutschen Wanderverbands und wirkt bei der Ausbildung von Gesundheitswanderführer/-innen mit.

Interview

Was genau versteht man überhaupt unter dem Begriff Gesundheitswandern?

Das Gesundheitswandern „Let‘s go – jeder Schritt hält fit“ nutzt die positiven Aspekte des Wanderns und ergänzt diese durch ausgewählte Übungen, die Koordination, Kraft, Ausdauer und Entspannung verbessern. Außerdem widmet sich jede Gesundheitswanderung einem gesundheitsspezifischem Thema, so dass die Teilnehmer nicht nur behutsam ihre Ausdauer trainieren und Kraft, Koordination und Beweglichkeit verbessern, sondern auch den eigenen Körper besser kennenlernen und Tipps und Tricks für ein gesünderes Leben erhalten. 

 

Was sind die größten Vorteile gegenüber anderer Betätigungen?

Ein ganzheitlicheres Training für Körper, Geist und Seele als das Gesundheitswandern gibt es kaum: Für das Gehen sind wir gemacht und die Bewegung in der Natur spricht alle Sinne gleichermaßen an. Wir trainieren den Körper, bauen Stress ab, stärken unser Immunsystem und verbessern unser seelisches Gleichgewicht. Da es  bei einer Wanderung immer auch zu ungezwungenen Gesprächen und Erfahrungsaustausch kommt, wirken wir ganz nebenbei einer sozialen Isolation entgegen.

 

Für wen ist Gesundheitswandern insbesondere geeignet?

Entwickelt wurde das Gesundheitswandern als ein sehr niedrigschwelliges Angebot, das sich jedoch dem Leistungsniveau der Gruppe beliebig anpassen lässt. Wir wissen, dass es gerade an Angeboten fehlt, die diejenigen in Bewegung bringen, die es am Nötigsten haben.  Das beliebte Joggen, dynamische Nordic-Walking-Gruppen oder etwa Fitnessstudios sind sicher auch gut, doch setzen sie eine Grundkondition / Konstitution voraus. Ist diese nicht vorhanden, kann der Schaden zum Teil deutlich größer sein als der Nutzen der Bewegung. Wir richten uns daher explizit auch an Bewegungsferne, bzw. Bewegungsabstinente. Die vom Deutschen Wanderverband ausgebildeten und zertifizierten Gesundheitswanderführer*innen sind auf die speziellen Bedürfnisse dieser Gruppe sensibilisiert. Die Gestaltung und Überprüfung der Belastungsintensität während der Wanderungen und die Kenntnis über schonende Übungen, mit dem Blick für Korrekturen, sind ein wesentlicher Bestandteil der Ausbildung.

 

Benötigen Interessierte gezielte Anleitung oder kann jeder auf eigene Faust loslegen?

Diese Frage finde ich tatsächlich etwas schwer zu beantworten, da ich grundsätzlich nichts davon halte, den Leuten, die sich bewegen wollen, Zweifel einzureden. Was für den einen ein Spaziergang ist, ist für den anderen eine unvorstellbare lange Wanderung. Als Gesundheitswanderführerin verschaffe ich mir erst einmal einen Eindruck von der Belastbarkeit der Gruppe. Dies kann bei einem Vortreffen oder der ersten Wanderung geschehen. Die Wanderungen, die Weglänge und -beschaffenheit werden für die Gruppe entsprechend ausgewählt und angepasst. Gerne empfehle ich folgendes: Mittwochs machen wir unsere Gesundheitswanderung gemeinsam – mit Gymnastik, Theorie und zum Abschluss Dehnung und Entspannung. Am Samstag trifft sich die Gruppe ohne mich und wiederholt die Wanderung ohne Extras. Das stärkt das Gruppengefühl und der Trainingseffekt ist deutlich besser, wenn nicht nur einmal in der Woche trainiert wird.

 

Wo findet man weitere Informationen zum Thema?

Auf der Seite des Deutschen Wanderverbands findet sich alles rund ums Wandern, auch speziell zum Gesundheitswandern. Hier können Sie auch über eine Suchfunktion die Gesundheitswanderführer*innen in ihrer Region finden.

Zurück

Zuhören ist unsere stärkste Leistung.