Expertenchat am 12. März 2018 zum Thema "Depression, ADHS: Wenn die Kinderseele krank ist"

Psychische Probleme und Erkrankungen sind im Kindes- und Jugendalter häufiger als allgemein angenommen. Genauso wie Erwachsene brauchen Kinder Hilfe und Unterstützung, um sie zu überwinden und ein positives Lebensgefühl zu entwickeln. Doch natürlich ist nicht gleich jede schlechte Laune ein Anzeichen einer kindlichen Depression und jede Träumerei eine Aufmerksamkeitsstörung. Wann sollten Eltern aufmerksam werden? Wie können Sie auf Traurigkeit oder Ängste reagieren? Erfahren Sie es in unserem Expertenchat am 12. März ab 20:30 Uhr.

Expertin Gesine Kleinschmitt

Die Expertin

Gesine Klingelschmitt ist Mutter einer Tochter und derzeit in Elternzeit. Sie hat das Studium der Erziehungswissenschaft an der Universität in Mainz abgeschlossen. Im Anschluss daran folgte die Weiterbildung zur systemischen Therapeutin (SG zertifiziert). Seit fünf Jahren arbeitet sie als Diplom-Pädagogin beim Kinderschutzbund in der ambulanten Jugendhilfe. Dort führt sie unter anderem Familienhilfe und Integrationsmaßnahmen durch und leitet eine AD(H)S-Gruppe. Neben Fortbildungen rund um den Umgang mit AD(H)S und Autismus und der engen Zusammenarbeit mit dem Jugendamt ist sie auch als „Insoweit erfahrene Fachkraft“ in Kindesschutzfragen für ihre Kollegen zuständig.

 

Interview 

Was sind typische seelische Probleme bei Kindern?

Kinder können genauso wie Erwachsene unter seelischen Problemen wie Angst, Wut und zum Beispiel Trauer leiden. Neben diesen emotionalen Problemen kommen häufig noch Verhaltensauffälligkeiten wie zum Beispiel AD(H)S hinzu.

Außerdem können soziale Probleme wie Mobbing zu seelischen Problemen führen. Es gibt allerdings auch seelische Probleme, die vom Arzt diagnostiziert werden und dann unter psychische Störungen fallen. Dazu gehören zum Beispiel Ängste, Depression,  Essstörungen und Formen von Autismus.

 

Was sind typische erste Anzeichen dafür, dass mein Kind ernsthafte Probleme hat?

Ein wichtiges Anzeichen ist, dass sich das Verhalten des Kindes verändert. Es kann sein, dass ein kleines Kind angibt, körperliche Beschwerden zu haben (zum Beispiel Bauchschmerzen), da es das eigentliche Problem noch nicht benennen kann.

Bei Schulkindern kann es sein, dass plötzlich die Noten schlechter ausfallen oder das Kind mit untypischem Verhalten auffällt – Grund hierfür können Konzentrationsschwierigkeiten sein. In so einem Fall kann es für die Eltern hilfreich sein, mit den Pädagogen in der Schule zu sprechen, um zu erfragen, ob ihnen etwas aufgefallen ist. Manche Kinder ziehen sich zurück und benennen eine „Andersartigkeit“. Hören Sie ihrem Kind aufmerksam zu und reden Sie mit ihm. Seien Sie transparent mit ihrem Kind und nehmen Sie seine Sorgen ernst.

 

Ab wann kann ein Kind „verstehen“, dass es psychische Probleme hat?

Ein Kind kann schon relativ früh merken, dass es „anders“ ist als andere Kinder. AD(H)S zum Beispiel wird nur dann diagnostiziert, wenn es bereits Verhaltensauffälligkeiten in Kindergarten und Grundschule gab. Ein Verständnis von einer psychischen Störung oder eines seelischen Problems kann ein Schulkind durchaus wahrnehmen. Es gibt auch schon tolle Bilderbücher, die kleinen Kindern das Thema näherbringen, falls zum Beispiel die Eltern erkrankt sind.

 

Können seelische Probleme auch auftreten, wenn es in der Familie keinerlei Veranlagung dafür gibt?

Ja. Seelische Probleme bestehen aus verschiedenen Faktoren. Neben der Genetik sind die sozialen Systeme ein sehr wichtiger Faktor. Auch Kinder aus einer intakten und glücklichen Familie können unter Mobbing leiden; dies kann dann zu Ängsten bis hin zur Depression führen.

 

Wo finde ich professionelle Hilfe zum Thema?

Es gibt zahlreiche Beratungsstellen, in denen man sich informieren kann und die den Ratsuchenden weiter vermitteln können. Des Weiteren gibt es Fachärzte für Kinder- und Jugendpsychiatrie, bei denen man sein Kind vorstellen kann. Handelt es sich um schulische Themen bzw. Themen, die dort vermutlich ihren Ursprung haben, so sind die Lehrkräfte, die Schulsozialarbeiter oder der Schulpsychologe gute Ansprechpartner. Brauchen Sie weitere Unterstützung, so ist auch das Amt für Jugend- und Familie für Sie da.

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