Definition: Selbstliebe.

Hallo und herzlich willkommen zu „Von Achtsam bis Zuckerfrei – dem Gesundheits-Podcast der Audi BKK“. Dieser widmet sich in jeder Staffel ganz ausgiebig einem Thema. Hier: Selbstliebe.

„Wer ist die Audi BKK denn überhaupt?“
Wirst du dich jetzt vielleicht fragen.

Die Audi BKK ist eine Krankenkasse, der nicht nur die physische, sondern auch die psychische Gesundheit und Aufklärung sehr wichtig ist. Sie setzt sich intensiv damit auseinander, was wir brauchen, damit wir ein erfülltes Leben führen können und auch eine erfüllte mentale Gesundheit haben. Denn Gesundheit findet zu einem ganz großen Teil in unserem Kopf statt. Deswegen startet die Audi BKK regelmäßig tolle Kampagnen und an einer davon durfte ich letztes Jahr teilnehmen. Das war die "Ich bin schön"-Kampagne, die auf Instagram und allgemein Social Media ausgetragen wurde, um mit verrückten Schönheitsidealen, die in unserer Zeit so gepusht werden, ein bisschen aufzuräumen und jedem Menschen das Gefühl zu geben, dass er oder sie in seiner Haut genau richtig ist. So wurde ich auf die Audi BKK aufmerksam und freue mich riesig, nun selbst die Stimme dieses Podcasts zu sein. Aber wer bin denn ich? Mein Name ist Ilka Brühl und ich befasse mich damit, Menschen zu einem gesunden Selbstwertgefühl zu verhelfen.

Lange Zeit war ich selbst total unzufrieden mit mir, weil ich mit einer Gesichtsspalte geboren wurde und habe nun gelernt mich genauso zu akzeptieren, wie ich bin, unabhängig von irgendwelchen Schönheitsidealen. Und da helfe ich immer wieder anderen, diesen Weg auch zu gehen, indem ich Beiträge auf Instagram teile und an Büchern zu dem Thema arbeite. Meine Message ist nämlich: Lasst uns doch lieber auf unsere Stärken und Gemeinsamkeiten konzentrieren, als uns über vermeintliche Schwächen und Andersartigkeiten zu ärgern. Super, so viel also zu mir und der Audi BKK. Aber vielleicht ist ein Podcast für dich ja was völlig Neues. Oder du bist schon ein alter Hase, wer weiß. Ich mache einfach mal einen ganz kurzen Rundumschlag, was ein Podcast ist und was dich in diesem Podcast so erwarten kann. Ein Podcast ist quasi, ein Hörbuch so kann man es sich am besten vorstellen. Die Audi BKK hat ja viele wichtige Informationen, die sie normalerweise auf ihrer Internetseite oder ihrem Kundenmagazin oder auf den Social-Media-Kanälen teilen. Der Podcast ist nun eine weitere Möglichkeit für dich, an diese Informationen zu gelangen. Du kannst es also überall hin mitnehmen. Klingt doch gut, oder?

Aber was erwartet dich denn thematisch? Wir haben diesen Podcast in sogenannte Staffeln geteilt. Jede Staffel hat ein bestimmtes Themengebiet. In der gesamten ersten Staffel dreht sich beispielsweise alles um das Thema Selbstliebe. Was erwartet dich denn hier?
Tipps, Interviews, Wissen und Unterhaltung. Sag uns ruhig, was du erwartest und was wir besser machen können. Steigen wir nun voll ins Thema ein.

In der ersten Folge soll es darum gehen, was Selbstliebe eigentlich ist. Wir legen also die Grundlagen für die weiteren Folgen. Wenn du dich mit dem Thema und dem Begriff vielleicht auch noch gar nicht so befasst hast. Selbstliebe ist für viele, die das noch nie so gehört haben, etwas ganz Komisches. Der Begriff wird schnell in die Richtung Narzissmus geschoben, was bedeutet, dass man in sich selbst verliebt ist, doch Selbstliebe sagt etwas ganz anderes aus. Natürlich ist es kein genormter Begriff, aber ich kann ja einfach mal sagen, wie ich Selbstliebe verstehe und wie ich Selbstliebe seit Jahren so in die Welt trage. Wir können den Begriff ja mal in seine zwei Teile zerlegen: Selbst und Liebe.

Natürlich ist es also erstmal verständlich, wenn Leute diesen Gedanken an Narzissmus haben. Weil es ja so klingt, als ob man ganz arg in sich selbst verliebt ist.
Und das ist auch gar nicht ganz verkehrt. Denn: Was sagt Liebe zu einer Person denn eigentlich aus? Bedeutet Liebe, dass wir alles an der anderen Person perfekt finden und vergöttern? Dass wir nicht sehen, was wir an ihr vielleicht sogar suboptimal finden? Heißt es in einer Beziehung zu sein, dass man alles am Partner bedingungslos unterschreiben würde und dass man sagt: Also, mein Partner passt zu 100% zu mir. Ich glaube, das ist in den seltensten Fällen so. Meistens liebt man doch ein Gesamtpaket. Man liebt eine Person und sagt: Ich finde die Mehrheit, hoffentlich die große Mehrheit, der Eigenschaften an dieser Person toll und deswegen möchte ich meine Zeit mit dieser Person verbringen. Ich kann über die Sachen hinwegblicken, die ich nicht perfekt finde. Vielleicht arbeitet man ja auch langsam und geduldig daran.

Aber: Ich komme mit einer Person zusammen nicht in der Erwartung sie zu verändern – jedenfalls im Idealfall ist es so. Man nimmt die Person als Gesamtpaket. Und genau das ist für mich Selbstliebe. Man bringt sich Achtung entgegen. Man wertschätzt sich selber. Man hat einen liebevollen und respektvollen Umgang mit sich und seinen Macken. Man darf sie auch ein Stück weit anpassen, man darf daran arbeiten. Aber man sollte einfach immer im Hinterkopf haben, dass man so wie man ist, schon liebenswert ist. Und dass man so wie man ist, völlig in Ordnung ist. Manche Leute sprechen deshalb auch einfach von Selbstakzeptanz oder Selbstfreundschaft, damit diese Verwirrung nicht auftritt. Ich finde aber, dass Selbstakzeptanz oder Selbstfreundschaft zwar auch wichtige Wörter sind, mir persönlich aber nicht tief genug gehen. Wir haben jetzt geklärt, dass Selbstliebe nicht bedeutet, alles an sich perfekt zu finden. Aber in der Regel gibt es ja Menschen in seinem Leben, die man liebt.

Und man selbst ist genauso wichtig, wie diese Menschen. Deswegen wirkt es für mich falsch zu sagen: Hey, ich akzeptiere mich einfach nur, wie ich bin, aber es gibt Personen in meinem Leben, die ich liebe. Man sollte sich die gleiche Liebe und den gleichen Respekt und die gleiche Wertschätzung entgegenbringen, die man auch seinen Liebsten entgegenbringt. Warum ich das für so essenziell halte, werde ich in dieser Folge und denen danach auf jeden Fall noch ein paarmal erläutern.

Die Kurzfassung also: Selbstliebe ist eine grundsätzliche positive Haltung gegenüber sich selbst. Aber wie äußert sich diese Selbstliebe denn nun? Zunächst mal, indem man für seine eigenen Interessen einsteht. Häufig genug verbiegen wir uns, um anderen zu gefallen. Verbiegen uns, weil wir denken, dass die Normen und sozialen Konventionen das gerade von uns erfordern. Dabei ist es viel schöner, wenn wir einfach so sein können, wie wir sind. Häufig ist es auch überhaupt kein Problem und wir finden heraus, dass es eine unglaubliche Bereicherung für die Welt ist. In unserem verrückten Gedankenkarussell bilden wir uns vorher ganz häufig die aller schlimmsten Dinge ein. Wir meinen, auch wenn ich jetzt zeige, wie ich darüber wirklich denke, wenn ich mich so zeige wie ich bin, dann werde ich weniger akzeptiert, weniger geliebt. Ich werde weniger ernst genommen, es gibt ganz, ganz viele Szenarien in unserem Kopf, die uns da schnell mal verunsichern können. Doch häufig habe ich erlebt, dass wenn ich, oder Leute, mit denen ich den Prozess durch gegangen bin, wenn die dann angefangen haben, für ihre eigene Interessen einzustehen, dass sie ein unglaublich positives Feedback bekommen haben. Die Leute sind nämlich gewohnt, dass du an dir zweifelst.

Und wenn du plötzlich anfängst, für dich einzustehen, dann ist das so ein Schalter, der umgelegt wird und der ganz, ganz viel mit sich bringt. Es ist ja nicht einfach so: Als Beispiel, wenn du unglücklich mit deiner Figur bist, dass du immer, wenn das Thema auf bestimmte Gebiete kommt wie Essen, dass man dir anmerkt, dass du damit eigentlich gerade einen Klemmer hast, dass du nicht mit deiner Figur zufrieden bist.

Sondern diese Unzufriedenheit bezüglich deiner Figur, die überlagert alle anderen Bereiche deines Lebens. Du wirst dich in so vielen Bereichen, wenn du mal darauf achtest, dabei ertappen, dass du eigentlich an dir zweifelst, dass du negative Glaubenssätze hast, die du die ganze Zeit mit dir rumschleppst und die dein ganzes Leben überlagern. Und nicht nur das: Man neigt auch dazu, wenn man ganz starke Selbstzweifel hat, wie ich das zum Beispiel ja früher auch hatte, anderen diese Worte in den Mund zu legen. Ich habe rückblickend ganz vielen Leuten unterstellt, dass sie mich hässlich finden. Ich bin quasi in jede Situation rein gegangen: „Okay, okay, ich bin hier die Hässlichste im Raum. Ich bin die Uncoole, die Fronten sind geklärt. Ihr seid viel, viel cooler.“

Was können wir aus dieser Situation machen? Wenn es um Referate ging, um Schulsport. Da war immer in meinem Kopf: „Okay ich bin hier die Uncoole, ich bin die Hässliche.“ Und das beeinflusst natürlich dein ganzes Leben. Wenn andere Leute das vielleicht gar nicht wahrnehmen, legst du es aber trotzdem unbewusst in jedes Gespräch hinein. Egal, was die andere Person sagt, du wirst ihr immer irgendwo unterstellen, dass sie das natürlich genauso sieht und, dass sie das sogar unterstützt, oder sich über dich lustig macht vielleicht sogar. Es gibt die diversesten Varianten: Wenn zum Beispiel jemand in meiner Gegenwart von jemanden mit einem besonders hübschen Gesicht geredet hat, habe ich das direkt als persönliche Diskriminierung verstanden. Und damit möchte ich sagen: „Mit dir kann es natürlich etwas ganz anderes sein, aber wir haben alle so unsere Zweifel, die wir unbewusst mit uns tragen.“ Vielleicht hast du das Gefühl, du bist nicht fleißig genug oder keine gute Mutter oder kein guter Vater. Oder du meldest dich als Freund oder Freundin nicht häufig genug. Vielleicht zweifelst du auch an deiner Intelligenz oder deinen Fähigkeiten bezüglich deines Berufs. Es gibt so viele Möglichkeiten für Selbstzweifel und ganz häufig entdecke ich bei Leuten, dass sie dann so einen wunden Punkt haben, bei dem sie direkt denken, dass ihn jemand etwas Böses möchte.

Es kommt irgendeine kleine Andeutung, die keineswegs böse gemeint ist, aber sie trifft deinen wunden Punkt. Und du denkst direkt, die Person hat es mit Absicht gemacht und die wollte mich jetzt wie voll in die Pfanne hauen, dabei hat sie das wahrscheinlich gar nicht geplant. Du merkst wahrscheinlich, der ganz große Nachteil an deinen Selbstzweifeln ist also, die haben nicht nur was mit dir selbst zu tun. Deine Selbstzweifel bestimmen dein ganzes Leben und nicht nur dein Persönliches für dich alleine, sondern sie bestimmen auch jeglichen Umgang und jeglichen sozialen Kontakt. Je mehr du in dir selbst ruhst und mit dir selbst zufrieden bist, desto weniger Probleme wirst du auch mit anderen Menschen haben, das verspreche ich dir. Denn diese Entwicklung habe ich bei mir und bei so vielen Menschen schon beobachten dürfen.

Wenn du dich zum Beispiel grundsätzlich für einen normalen, liebenswerten Menschen hältst, der das gleiche Recht hat, wie jeder andere auch, glücklich zu sein ist es dir ganz einfach, für deine eigenen Interessen einzustehen. Vielleicht denkst du jetzt gerade: „Natürlich ich bin doch ein ganz normaler selbstbewusster Mensch, ich bin liebenswert und so“. Das ist oft ein unterbewusster Prozess des Zweifelns. Nur weil ich damals wirklich aktiv gedacht habe, ich bin hässlich und ich bin uncool, haben das doch nicht alle Menschen so ausgeprägt. Doch wenn du nicht gerade eine ganz große Ausnahme bist, hast du mehr oder weniger versteckte Selbstzweifel und genau die wollen wir mit diesem Podcast beheben – jedenfalls den Grundstein dafür legen. Denn so ein Prozess ist niemals abgeschlossen, das ist ganz wichtig.

Manchmal werde ich nach dem einen schnellen Tipp gefragt oder so, aber das ist natürlich Blödsinn. Unsere Psyche und die Entwicklung der Persönlichkeit sind sehr komplexe Vorgänge und stets im Wandel. Also ich glaube nicht, dass wir irgendwann mal im Punkt angekommen sind wo wir sagen: Ich habe nie wieder einen schlechten Tag oder ich bin jetzt perfekt, ich habe keine Selbstzweifel mehr. Das geht dann schon in die Richtung Selbstoptimierungswahn, was etwas sehr Gefährliches ist. Ich glaube, es ist sehr wichtig zu akzeptieren, dass man nie angekommen ist. Man kann einfach nur daran arbeiten, dass man sich immer mehr mit sich selbst anfreundet. Und das wirst du zum Beispiel daran merken, der erste Punkt, den ich eben angesprochen habe, dass man für seine eigenen Interessen einsteht.

Früher habe ich immer in Diskussionen gedacht, dass meine Meinung sein muss wie die der anderen. Das ist rückblickend ein ziemlich gutes Indiz dafür, wie wenig Wert ich meiner eigenen Meinung in meinem eigenen Beisein bemessen habe. Als Beispiel, wenn jemand gesagt hat ich mag die Farbe Blau total gerne und ich mochte aber grün lieber, wollte ich das nicht zugeben oder andersrum, wenn wir darüber geredet haben, was man irgendwie gerne isst zu Abendbrot oder so und ich habe vorher gesagt „Okay, ich mag super gerne Spaghetti“ und die Person gesagt hat: "Ne, Spaghetti gehen echt gar nicht. Dann würde ich heute sagen: „Ja okay, das ist voll gut, du magst Spaghetti nicht, ich mag sie wir haben alle unsere eigenen Interessen.“ Damals hätte ich zurückgerudert, hätte gesagt: „Ja ok, so toll sind Spaghetti wirklich nicht.“ Und das ist, wenn ich daran zurückdenke, irgendwie ganz verrückt, weil jeder Mensch hat doch eine Meinung, jeder Mensch hat Interessen. Wir sind auch alle unterschiedlich. Niemand muss gleich sein. Wir müssen nicht gleichen Dinge mögen, wir müssen nicht die gleichen Dinge machen.

Wir dürfen komplett unterschiedlich sein und das heißt nicht mal, dass wir nicht zusammenpassen. Wir können mit Leuten befreundet sein, die viele Dinge komplett anders handhaben als wir, solange wie eine große Überschneidung in den wesentlichen Punkten haben. Es ist für uns nicht wichtig, ob die einen Spaghetti mögen und die anderen nicht oder natürlich auch ganz andere Dinge. Spaghetti ist natürlich nur ein ganz kleines Beispiel, aber es kann ja auch sein der Stil: Du musst nichts anziehen, was andere Leute schön finden und du nicht.

Du kannst die Frisuren tragen du möchtest, du kannst ein Auto haben, wenn deine Freundin kein Auto haben oder umgekehrt, du kannst viel dörflicher wohnen als deine Freunde aus der Stadt, du kannst das Buch gut finden, was andere schlecht finden. Das ist erst mal nur so ein ganz, ganz kleines Beispiel, aber wenn es da schon scheitert wie bei mir früher, sollte das erstmal ein großes Warnsignal sein, denn wenn du deine Meinung nicht frei äußern kannst, zeigt es ganz klar, dass du deine Meinung weniger wichtiger findest, als die der Personen, mit denen du redest. Deine Meinung ist genau gleich wichtig, also darfst du auch für deine eigenen Interessen einstehen.

Direkt anschließend packe ich da jetzt mal den zweiten Punkt, weil der in eine ähnliche Richtung geht, nur stärker ausgeprägt. Ein Interesse von dir sind deine eigenen Grenzen und Kräfte. Ich würde sagen, das ist so der Klassiker der Punkte, die schnell missachtet werden. Wie oft sagen wir irgendwo zu, wo wir nicht zusagen wollen, bieten unsere Hilfe an, auch wenn wir gerade selbst eigentlich schon auf dem Zahnfleisch gehen. Wie oft helfen wir bei einem Umzug, wo wir wissen, die Personen würde uns niemals helfen. Vielleicht sagst du bei all diesen Punkten: „Ne, das ist bei mir nicht in meinem Leben so“. Dann beglückwünsche ich dich von Herzen und freue mich riesig für dich.

Aber die meisten Menschen, mit denen ich rede, haben genau da einen ganz großen Punkt, dass sie sagen: „Ja, ich sage immer ja, ich kann nicht nein sagen, wenn mich jemand um Hilfe bittet, egal wie voll meine Woche ist, ich helfe.“ Und versteh mich nicht falsch, helfen ist was ganz Wunderbares und ich liebe es meinen Freunden zu helfen, aber du musst immer zuerst schauen: Geht es mit deinen Kräften? Ich sage immer du bist ein bisschen ein kleiner Roboter, du bist so ein Wall-E. Wenn Wall-E den ganzen Tag den Planeten reinigt – er fährt Müll von hier nach da, räumt munter vor sich auf, es ist noch so viel zu tun. Und deswegen macht er immer weiter, er fährt nicht in seine Ladestation. Was ist dann das Resultat? Er liegt irgendwann irgendwo brach, kommt nicht mehr vor und zurück, weil sein Akku leer ist und hat vielleicht einen winzigen Teil dieses Planeten aufgeräumt. Wenn du aber rechtzeitig auf dich hörst, als Wall-E betrachtet, in deine Energie-Station zurückfährst, deine Akkus auflädst, kannst du am nächsten Tag wieder starten und die nächste Ecke von deinem Planeten reinigen.

Was ist wohl die nachhaltigere Version? Und natürlich klingt das jetzt erstmal ganz einfach und sicherlich ist dir das auch schon mal in den Sinn gekommen, dass du mehr nein sagen müsstest, falls du zu dieser Gruppe gehörst, die immer für andere da ist. Aber du möchtest natürlich die anderen nicht verärgern. Die sind doch deine Freunde, sie würden das ja auch für dich tun. Ja, ich kenne dieses Gedankenkarussell. Nicht nur von mir, sondern weil ich diese Gespräche ganz, ganz oft führe. Das ist so der Punkt, den ich bei allen erlebe. Man hat selbst schon so viel in seinem Leben zu tun, aber natürlich möchte man für seine Freunde da sein, also macht man regelmäßig Überstunden, um dem Chef zu gefallen, dann hetzt man noch irgendwie zur Kindergarten-Party, hat natürlich den selbstgebackenen Kuchen dabei und probiert alles und jeden irgendwie glücklich zu machen und am Ende des Tages – ja wo bist denn du dageblieben? Du bist völlig zu kurz gekommen.

Das ist der Punkt, wo Selbstliebe für mich anfängt, dass man sagt: „Hey, ich möchte dir gerne helfen, aber ich kann nicht, ich brauche heute wirklich Zeit für mich.“ Und in den nächsten Folgen werden wir besprechen, wie du dahin kommst, wie du das schaffen kannst, dass die Leute das akzeptieren, dass sie nicht sauer auf dich sind und du dich auch nicht dabei schämst, wenn du für deine Interessen einstehst.

Natürlich auch hier wieder: Es ist ein Prozess und es wird nicht – du wirst nicht diesen Podcast hören und am Ende ist deine Selbstliebe komplett und du achtest auf dich und du sagst nie wieder irgendwo: „Ja.“ Auch ich sage mal ich bei ja und denke im Nachhinein: „Uh, die Woche ist aber sehr voll.“ Aber weil ich grundsätzlich so gut auf mich achtgebe, haut mich dieses eine Mal dann nicht gleich aus den Socken. Du bist wahrscheinlich aber an einem Punkt, wo du dauernd zu irgendwas ja sagst, wo du dauernd über deine Grenzen gehst und für andere da bist. Und das ist auf Dauer nicht gesund. Der zweite Punkt, wie sich Selbstliebe äußert ist also somit, dass man auf seine eigenen Grenzen und Kräfte achtet und sich nicht überlastet und dabei auch keinen vor den Kopf stößt. Alle sind fein damit, man findet so seinen Weg, wie man offen kommuniziert, welche Bedürfnisse man gerade hat und alle sind fein damit. Der dritte Punkt ist, dass man eine grundsätzliche Zufriedenheit erreicht und sich nicht permanent ändern möchte.

Das ist für mich auch ein wesentlicher Aspekt der Selbstliebe. Denn wir leben in einer Zeit des Selbstoptimierungswahns, wie ich es schon mal genannt habe. Selbstoptimierung ist einfach ein ständiger Begleiter. Wenn wir Instagram angucken gibt es immer irgendwelche Challenges, wie wir uns verbessern können. Überall sind Coaches und so viele Möglichkeiten an uns zu arbeiten und grundsätzlich begrüße ich das auch sehr, aber es kann natürlich auch dazu führen, dass wir einen Trend nach dem anderen nachjagen. Vielleicht von einer Diät zur nächsten. Dann trinken wir gerade nur Sauerkrautsaft und anschließend essen wir wieder fünf Wochen keine Kohlenhydrate. Was auch immer es ist, ob es um die Figur geht oder was anderes – wir sind einfach keine Maschinen und wir können uns nicht zu Tode optimieren und wenn wir das versuchen, hassten wir so von einem Trend zum nächsten und laugen uns dabei komplett selbst aus. Deswegen ist für mich Selbstliebe zu sagen: „Ja, an mir ist vielleicht nicht alles perfekt, aber ich habe eine grundsätzliche Zufriedenheit und will mich gar nicht permanent ändern.“ Weil dann bin ich immun gegenüber diesen Verlockungen und Trends, die meistens auch nichts ändern.

Ich kann dann ganz bewusst sagen: „Um diese eine Sache, die klingt gerade wirklich interessant, die möchte ich einfach mal ausprobieren.“ Das heißt aber nicht, dass wir von Trend zu Trend hüpfen.

Punkt vier: Ich halte mich grundsätzlich für liebenswert. Das ist auch eine Sache, mit der viele Menschen einen Klemmer haben. Das war bei mir in der Pubertät extrem ausgeprägt, dass ich daran gezweifelt habe, dass man mich überhaupt ernsthaft lieben kann, so wie ich aussehe, so, wer will denn sowas? Da ist doch nur jemand aus Mitleid mit mir zusammen. Doch das kann sich natürlich auch auf andere Bereiche des Lebens erstrecken, wenn man das Liebenswerte ein bisschen abschwächt.

Dann kannst du auch denken: Warum sollten meine Freunde eigentlich wirklich ehrlich interessiert an mir sein? Oder meine Kollegen, mögen die mich überhaupt? Achten die mich? Haben die Respekt vor mir? Halten die mich für schlau? Du zweifelst dann ja an allem und denkst vielleicht immer wieder, dass die anderen das ja alles besser können, die anderen sind ja viel schlauer und hübscher. Selbstliebe ist für mich also eher der Glaube, dass man mich lieben kann, dass man mich mögen kann, dass man mich achten kann, weil ich mich ja selbst liebe und achte und wertschätze. Ich weiß also, weil ich es mir selbst vormache, dass auch anderen Menschen das möglich sein muss.
Denn, wenn du dich nicht liebst und achtest und respektierst, wie soll das dann wer anders tun? Wie du über dich denkst, spiegelt sich so extrem in allem wider was du tust, in dem was du sagst und das spüren die anderen auch. Also ich merke zum Beispiel mittlerweile, wo ich einfach an so einem viel weiteren Punkt bin, merke ich es ganz stark, wenn ich mit jedem rede, der sehr verunsichert ist.

Und natürlich gebe ich mir dann alle Mühe, der Person diese Verunsicherung zunehmen, aber ich merke auch direkt, wie mich das natürlich beeinflusst und wie ich schnell dazu neige, das was diese Person ausstrahlt, auch zu denken und zu glauben, weil wie soll es denn anders sein? Die Person zeigt mir ja förmlich, wie ich sie zusehen habe.
Deswegen lassen wir uns auch so leicht von so Blender-Typen einlullen, weil die etwas sowas Selbstbewusstes ausstrahlen oder jemanden, der so mit ganz leiser Stimme spricht und vielleicht eher gesenkt geht, weiß ich nicht, sich so in den Ärmel nuschelt oder so. Natürlich nehmen wir den auch ganz schnell nicht so ernst, wenn wir nicht aktiv dagegen steuern und die meisten Menschen sind so mit ihrem Leben beschäftigt, dass sie gar keine Zeit haben dagegen zu steuern. Die fragen sich nicht: „Hmm, ist Ilka vielleicht doch ganz cool?“

Weil ich ihnen ja zeige: „Nein! Hey, vorsichtig bin total uncool, ich bin hässlich. Du solltest mich genauso behandeln als wäre ich ein uncooler hässlicher Mensch.“ Okay, warum sollten die Person sich dann die Mühe machen das anders zu sehen? Deswegen: Was du rausgibst in die Welt über dich, von dir, natürlich nicht in Worten, weil das findet alles unbewusst statt, das werden die anderen Menschen auch erstmal so denken. Wenn du also eine respektvolle, liebevolle Haltung zu dir selbst entwickelst, wirst du merken, dass auch andere Menschen das übernehmen.

Und der fünfte und letzte Punkt zu „Wie äußert sich Selbstliebe?“ ist: Die Meinung anderer verunsichert einen nicht. Es kann natürlich passieren, dass Punkt vier, du liebst dich jetzt selber oder du hast eine respektvolle Haltung dir gegenüber und es kann natürlich trotzdem Menschen geben, die davon nicht beeinflusst werden und die dich verunsichern, die eine komische Meinung über dich offen zur Schau tragen. Wenn du aber in dir ruhst und wenn du das Gefühl hast: Okay ich bin gut so wie ich bin. Wenn du dich deiner Stärken bewusst bist und weißt, jemand der mit mir befreundet ist, der kann sich genauso glücklich schätzen wie ich mich, wenn ich mit dieser Person befreundet bin. Wenn du einfach erkannt hast, dass du einen großen Wert als Mensch hast, dann verunsichert dich die Meinung von Idioten auch nicht mehr. Ich meine, ich muss es wissen, ich bekomme teilweise richtig fiese Kommentare in Social Media, werde es Alien bezeichnet oder so und das verunsichert mich wirklich gar nicht. Ich kann da einfach nur drüber lachen. Da sind so nette Menschen in meinem Leben, die geben mir so viel, da sind auch so nette Kommentare bei, wenn man jetzt mal bei Social Media bleibt.

Warum sollten all diese netten Menschen unrecht haben und mich dann dieser eine doofe Kommentar, dass ich ein Alien bin, warum sollte der mich so aus der Bahn werfen?
Dem messe ich doch gar keine Bedeutung mehr bei. Da kann ich wirklich nur herzlich drüber lachen, das ist mir einfach egal – das wäre früher niemals so gewesen. Und ich möchte dir helfen, dass du diese fünf Punkte, die ich eben gelernt habe, dass du da Stück für Stück weiterhin kommst, denn jeder Mensch hat es verdient ein Leben zu leben, in dem er glücklich ist und erkennt wie wertvoll er ist oder natürlich sie. Unsere Vielfalt ist ein ganz großes Geschenk, eine riesige Bereicherung, also sollten wir endlich aufhören, uns in Schubladen zu stecken und uns dafür feiern, wie wir sind.

Als vielfältige Gesellschaft und genau für die Art, wie du jetzt bist, musst du dich weder schämen noch entschuldigen. Es hat seine absolute Richtigkeit. Es wird Menschen geben, die dich genauso wie du bist, akzeptieren und wertschätzen. Und wenn das andere nicht können – sorry, aber dann sind es die falschen Leute. Du solltest dich für niemanden verbiegen und für niemanden ändern, denn du bist genau so wunderbar wie du bist.

So nachdem ich jetzt hier einen kurzen Anfall hatte, in dem ich mal wieder meine Gedanken zu Selbstliebe rausgeprescht habe, möchte ich noch kurz darauf eingehen, wie man die Selbstliebe denn verbessern kann. Nur so, erstmal als Überblick, denn die nächsten Folgen geht's ja auch darum noch im Detail. Meine Quicktipps sozusagen. Fangen wir mal an: Es gibt ja zwei Arten, vielleicht willst du sie ja gar nicht bei dir selbst verbessern, vielleicht hörst du das jetzt gerade, weil jemanden deinem Umfeld ein schlechtes Selbstbewusstsein hat und nicht an sich glaubt, weil du jemand anders unterstützen möchtest.

Was übrigens ziemlich cool von dir ist, also geht es jetzt erstmal darum, wie verbesserst du die Selbstliebe bei dir selbst und dann gleich noch, wie bei anderen. Für beides habe ich mir fünf Punkte überlegt. Fangen wir bei uns selbst an: Es ist wichtig einen gesunden Egoismus zuzulassen und wirklich zu verinnerlichen, dass es gut für alle ist, wenn man für sich selbst einsteht. Denke hier wieder an mein Wall-E Beispiel.

Punkt zwei: Verfalle nicht in einem Selbstoptimierungswahn! Wir müssen nie perfekt werden. Du liebst ja auch andere Personen, obwohl die nicht perfekt sind.

Punkt drei: Habe Geduld mit dir selbst. Denn die Entwicklung ist nie abgeschlossen und kann sehr lange dauern, aber das Schöne ist, du merkst schnell erste Verbesserungen, was dann wieder sehr, sehr motivierend ist.

Punkt vier: Man wagt sich Schritt für Schritt aus der eigenen Komfortzone. Das ist nicht, dass du jetzt sagst: Okay, morgen muss ich mich komplett selbst lieben. Keine Sorge! Wir machen das alles Schritt für Schritt.

Punkt fünf: Es gibt eine Reihe von Übungen und Verhaltensweisen, die wir vor allem auch in der nächsten Folge besprechen werden.

Jetzt wie schon erwähnt noch die Tipps, wenn du bei anderen dafür sorgen möchtest, dass diese weniger Selbstzweifel haben.

Punkt eins: Akzeptiere sie, wie sie sind. So platt gesagt: Probier' einfach nicht sie zu optimieren, nimm sie an wie sie sind. Du hast auch deine Fehler. Vielleicht ist das für dich etwas ungewöhnlich, wie die Person das handhabt. Das heißt aber nicht, dass du es ändern solltest. Vielleicht ist ihr Weg ja sogar der bessere, du kennst es nur anders. Ich weiß wie schwer das ist. Ich meine, ich lebe auch seit 8 Jahren mit meinem Freund zusammen und ich weiß, dass man manchmal einfach nur sich die Haare raufen will und denkt: Warum machst du das denn so? Mach es doch auf meine Weise, das ist viel besser. Aber es gibt halt keinen Standard, der sagt: Man muss die Zahnpastatube immer zu Ende ausquetschen oder so. Jeder Mensch macht das auf seine Weise und ich wette, die Person ärgert sich über genauso viele Dinge bei dir. Also akzeptiere sie oder ihn so wie er ist. Und als Dank wird er oder sie das bestimmt auch bei dir tun.

Punkt zwei: Sag ihnen, was du an ihnen magst. Das machen wir viel zu selten. Sag doch einfach mal: „Hey, du hast so toll das und das gemacht oder das ist eine Eigenschaft an dir, die finde ich richtig klasse.“ Wenn mir damals zum Beispiel Leute Komplimente gemacht haben, als ich so an mir gezweifelt habe, war das wahnsinnig schön.

Punkt drei: Lobe sie, wenn sie etwas gut machen. Das ist immer so ein Tipp, da bin ich ein bisschen zwiegespalten, weil man es damit definitiv nicht übertreiben sollte, weil dann werden die Personen so ein bisschen abhängig nach Lob, also ich kenne das von mir selber noch, dass ich irgendwann so Sachen einfach gemacht habe, weil ich unbedingt gelobt werden wollte. Das ist dann auch nicht gesund. Versuch doch einfach einen Mittelweg zu finden, denn von diesem Spruch: „Nicht gemeckert ist Lob genug“, halte ich persönlich einfach nichts.

Punkt vier: Sehr, sehr wichtig! Lästere nicht mehr. Das ist eine Sache, da komme ich auch mal drauf zu sprechen, die musste ich mir sehr sehr dolle abgewöhnen, denn häufig sagt lästern eigentlich aus, dass wir selbst ganz arg unzufrieden mit uns sind und uns deswegen unsere Anerkennung darüber holen, dass wir andere schlecht machen. Außerdem weißt du, wenn du mit Leuten lästerst, dann werden die auch über dich lästern. In 90% der Fälle. Jemand der lästert, ist einfach jemand der lästert und da macht er dann keine Unterschiede, da redet der auch mit anderen Freunden über dich. Deswegen tust du andere einen Gefallen, wenn du gar nicht anfängst mit ihnen über andere zu lästern, weil das halt nur dazu führt, dass die ein verdrehtes Selbstbild haben, dass sie denken: Okay ich mache den anderen schlecht, dann fühl ich mich vielleicht besser, natürlich nur unbewusst. Probiert einfach lästern ganz aus eurem Leben zu streichen und ihr werdet sehen, was das Gutes mit sich bringt. Denn lästern ist ja immer ein verurteilen und das zeigt uns quasi andere Leute gehen ja auch so mit uns ins Gericht, die verurteilen genau so was wir tragen und wie wir uns jetzt verhalten haben. Natürlich findest du manchmal ein Outfit auf der Straße ungewöhnlich, als Beispiel. Aber wenn du jedes Mal sagst: Guck‘ mal hier der und der trägt aber was Komisches, dann weißt du ganz genau, dass Menschen das auch über dich tun werden. Also probiere lästern einfach zu streichen.

Und der allerletzte Punkt fünf: Sei ehrlich. Es ist nie gut jemandem etwas vor zu machen. Sei ehrlich in allen Bereichen deines Lebens, aber konstruktiv. Wenn die Person deine Meinung will, dann kannst du ihr ruhig sagen, wenn etwas nicht so toll war, wenn sie etwas nicht so gut gemacht hat, du musst sie nicht in Watte packen. Aber sei auch ehrlich, wenn Sie etwas sehr gut gemacht hat oder wenn du ihre Selbstzweifel nicht teilst, aber Ehrlichkeit ist eine ganz wichtige Grundlage sowohl für Freundschaften als auch Beziehungen. Damit ist die erste Folge auch schon vorbei. Wir haben darüber gesprochen, was überhaupt ein Podcast ist und was Dich in diesem Podcast erwarten wird, was Selbstliebe ist, wie sie sich äußert und wie man sie verbessert. Die Details erfährst du natürlich in den nächsten Folgen, das war jetzt erstmal nur eine kleine Einleitung.

In der nächsten Folge geht es darum, wie du lernst Dich selbst zu akzeptieren und zu lieben und eventuell deine Schwächen sogar zu deinem Vorteil nutzen kannst. Du erhältst einige Praxistipps, wie du lernst dich und deinen Körper zu mögen und Erfahrungsberichte von ehemals unsicheren Personen ohne Selbstliebe. Also eine Folge mit Interviews! Ich freue mich schon darauf, dich hier im nächsten Monat wieder begrüßen zu können und wenn dir der Podcast gefallen hat, dann abonniere und bewerte ihn doch positiv auf iTunes oder wo auch immer du ihn hörst.