Darmgesundheit: Zu wichtig, um ein Tabuthema zu sein.

I: Herzlich willkommen zu Von Achtsam bis Zuckerfrei, dem Gesundheits-Podcast, der Audi BKK. In diesem widmen wir uns einer Vielzahl an Themen, die Körper und Geist betreffen. Ein wichtiges Ereignis steht an, die Aufregung steigt und steigt und steigt. Na, kribbelt es schon im Bauch? Dass es bei vielen Menschen in stressigen und aufregenden Situationen nicht unbedingt nur beim Kribbeln bleibt, ist fast schon ein offenes Geheimnis. Unser zweites Gehirn, der Darm, ist mit mehreren hundert Millionen Nervenzellen ausgestattet, die autonom arbeiten, aber mit unserem restlichen Nervensystem verbunden sind und viele Vorgänge in unserem Körper steuern. Bisher hat vieles um das Thema Darmgesundheit in der Tabu-Schublade geschlummert, ganz nach dem Motto, was auf dem stillen Örtchen passiert, bleibt auf dem stillen Örtchen. Fun-Fact, dabei ist es nicht mal still. Lange haben wir unserem Darm nicht unbedingt die Aufmerksamkeit geschenkt, die er verdient. Doch genau das sollten wir tun, denn er kann maßgeblich unser Wohlbefinden und unsere generelle Gesundheit beeinflussen. Bücher zum Thema Darmgesundheit sind deshalb seit einiger Zeit immer wieder in den Bestseller-Listen zu finden, teils wochenlang. Die Werbung ist voll von Mitteln gegen Reizdarm und immer mehr Menschen leiden an Unverträglichkeiten. Es wird also höchste Zeit, sich dem Thema anzunehmen. Doch erst mal ein paar Fakten zum Darm. Er ist zehn bis zwölf Meter lang. Eine enorme Länge, finde ich. Er besteht aus Dünn- und Dickdarm und insbesondere letzterer wird von unzähligen Mikroorganismen bevölkert. Er hat die Oberfläche eines halben Fußballfeldes. Und er ist quasi der Türsteher zu unserem Inneren. Was wir zu uns nehmen, landet zunächst mal hier. Hier werden Nährstoffe aufgenommen und Giftstoffe aussortiert. Der Darm kann wirklich maßgeblich zu unserer gesamten Gesundheit beitragen. Doch wenn er nicht richtig funktioniert, kann das fatale Folgen für unseren Körper haben. Angefangen bei einer unzureichenden Nährstoffversorgung, bis hin zu Autoimmunerkrankungen. Zum Glück haben wir einige Einflussfaktoren auf unsere Darmgesundheit selbst in der Hand. Professor Doktor Wedemeyer von der medizinischen Hochschule Hannover hat uns deshalb in einem Interview verraten, worauf es ankommt, denn als Gastroenterologe kennt er sich aus mit Themen rund um den Darm. Hallo, Herr Professor Doktor Wedemeyer. Wieso ist die Darmgesundheit noch immer ein Thema, über das man nicht so gerne redet?

B1: Also, liebe Frau Brühl, als Gastroenterologe rede ich natürlich ganz viel über Darmgesundheit. Das ist mein Kerngeschäft, in meiner täglichen Arbeit hier. Aber jetzt Scherz beiseite. Es ist ja schon so, dass Darm, sagen wir mal, wenn sich jemand einen Arm bricht, das sieht jeder und das ist ja irgendwie nicht schlimm, aber der Darm, das kann man nicht so fassen, wenn wir auf Toilette gehen. Das riecht ein bisschen unangenehm. Vielleicht bei älteren Menschen, das kennen wir alles, wenn mal was daneben geht, das ist auch für viele Menschen unangenehm. Darmgesundheit ist ja auch so ein bisschen mit Scham behaftet. Ich hatte heute Morgen eine Patientin, der war das extrem unangenehm, dass sie andere Menschen belästigt hat, weil, auf Deutsch gesagt, was danebengegangen ist. Das ist aber nur eine Sache. Die andere Sache ist die, dass so eine Darmerkrankung, wenn man irgendwelche Entzündungen hat und dann, was ist wirklich auch eine objektive Erkrankung? In welchem Bereich bilden sich vielleicht Menschen auch Bauchschmerzen nur ein? Und das ist für uns schon ganz schöne Überzeugungsarbeit, die wir leisten müssen, um einfach Menschen, auf der einen Seite, ernst zu nehmen, auch dass sie sich ernst genommen fühlen und dann müssen wir ganz, ganz viel aufklären, was so ein Darm alles macht, welche Funktion dahintersteht und wann es gegebenenfalls auch zu Problemen und zu Krankheiten kommen kann.

I: Ja, das kann ich mir gut vorstellen. Betrifft die Frage nach diesem gesunden Darm oder Darmkrankheiten denn eher ältere Menschen?

B1: Es betrifft jeden Menschen. Eigentlich jeder Mensch hat im Laufe seines Lebens mal eine Darmerkrankung. Es gibt natürlich erst mal Reiseerkrankungen. Wir alle wissen, wenn wir in bestimmte Länder, in schöne Länder dieses Planeten, vielleicht bald mal wieder fliegen können, dass es zum Reisedurchfall kommen kann. Das belastet. Da verliert man viel Flüssigkeit und damit geht das Ganze los. Wir als Ärzte unterscheiden ja immer, wenn was schiefläuft. Dann sind das zum Beispiel Entzündungserkrankungen, die entweder durch Infektionen hervorgerufen werden oder sogenannte autoimmun-entzündliche Erkrankungen. Dann kann es zu Tumoren kommen, kann Krebs entstehen oder dann kommt es vielleicht zu Durchblutungsstörungen. Das sind immer so Dinge, die man sortiert. Und jetzt ist es so, das wissen wir alle, Krebserkrankungen betreffen häufiger ältere Menschen und deswegen ist da zum Beispiel das große Thema Darmkrebsvorsorge ganz, ganz wichtig. Aber eben entzündliche Erkrankungen können auch in jüngeren Lebensaltern auftreten. Viele Menschen kennen auch vielleicht Mitbürger, Freunde, die sogenannte chronisch entzündliche Darmerkrankungen haben und das kann schon im Kindesalter, im jugendlichen Alter, losgehen und ist dann etwas, mit dem man häufig über viele Jahre und Jahrzehnte leben muss. Und dann gibt es sicherlich das ganz, ganz große Gebiet von Interaktion Menschen mit Nahrung. Wir alle müssen essen. Wir alle vertragen Essen vielleicht auch ein bisschen unterschiedlich. Das geht los bei ganz einfachen Symptomen, wie Blähungen, kann aber auch richtig zu krampfartigen Veränderungen führen. Also die Tatsache, dass wir alle reisen, dass wir alle auch mal eine Infektion durchmachen, aber auch, dass wir alle schlicht und ergreifend essen müssen und uns mit Nahrungsmitteln auseinandersetzen, ist die Antwort, dass eine Darmgesundheit jeden Menschen, unabhängig vom Alter, betrifft.

I: Ja, man hat ja auch manchmal den Eindruck, dass diese Unverträglichkeiten zunehmen. Also entweder ist das nur ein subjektiver Eindruck von mir oder können Sie bestätigen, dass immer mehr dieser Unverträglichkeiten, Sie sprachen es ja gerade selbst schon ein bisschen an, entwickelt werden?

B1: Also natürlich ist mal beides richtig. Es ist sicherlich so, dass durch vielleicht Wahrnehmung, durch neue Diagnostiker, wir bestimmte Dinge jetzt entdecken und darüber sprechen, über die man früher hinweggesehen hat oder gar nicht besprochen hat. Was aber absolut richtig ist, dass sich natürlich unsere Umwelt verändert hat. Wir leben jetzt, wir wachsen, in Anführungsstrichen, sauberer auf. Wir haben vielleicht weniger Kontakt mit Verunreinigungen, mit Schmutz, mit anderen Dingen und das führt dazu, dass sich unser Immunsystem anders entwickelt, als es sich noch vielleicht vor 50 Jahren beim Menschen entwickelt hat. Auch die Zusammensetzung der Darmbakterien ist anders heute, als es vor 50 Jahren war und das kann zum Teil auch erklären, dass in der Tat Allergien, aber auch Unverträglichkeiten auf Nahrungen jetzt häufiger zu beobachten sind. Also ganz banal, es gibt große Studien auch aus Deutschland, wo das eindeutig gezeigt wurde, dass Menschen, die, auf Deutsch gesagt, auf dem Bauernhof groß wurden oder auf dem Land, dass die weniger Allergien und auch Unverträglichkeiten haben als Menschen, die behütet in einer Stadtwohnung aufwachsen, wo das Kind auch nicht einmal von dem Finger auf den Boden gelutscht haben sollte. Es ist einfach so und das geht schon bei der Geburt los, dass es einen Unterschied macht, unser Mikrobiom, ob ein Neugeborenes per Kaiserschnitt zur Welt kommt, also auf Deutsch gesagt, sauberer, als wenn es den natürlichen Weg in unsere schöne Welt findet.

I: Ja, da habe ich auch von gehört. Jetzt könnte man ja sagen, ach, das ist doch alles schön und gut. Vielleicht kommt es mal ein bisschen fester, mal ein bisschen flüssiger, aber warum ist denn die Darmgesundheit so wichtig für unsere Gesamtgesundheit?

B1: Auch hier wieder, im Darm fängt ganz viel an und das haben viele Menschen vielleicht auch gehört, wir forschenden Ärzte beschäftigen uns ganz viel mit dem sogenannten Mikrobiom, also die Zusammensetzung der Darmbakterien. Das sind wirklich unglaublich viele Bakterien, die eine ganz, ganz große Diversität haben. Die sehr unterschiedlich sind, wo verschiedenste Bakterien-Stränge im Darmsinn. Und die setzen wiederum auch verschiedene Botenstoffe frei, die dann auch ins Blut übergehen können und damit letztlich fast jedes Organ beeinflussen können. Das geht los mit den Damen selber, die Darmschleimhaut. Das betrifft die Leber. Viele Lebererkrankungen werden durch den Darm beeinflusst. Wir sprechen von der Darmleberachse. Aber das geht weiter bis zu Stoffwechselerkrankungen, Zuckererkrankungen und betrifft am Ende das Gehirn. Wir wissen heute zum Beispiel, dass Menschen, die Depressionen haben, ein anderes Mikrobiom im Darm ausweisen als Menschen, die keine Depression entwickeln und deswegen ist natürlich der Umkehrschluss, kann ich mit einer Veränderung des Darm-Mikrobioms, diese Krankheiten behandeln? Das ist ein ganz, ganz großes Forschungsgebiet, was wir alle in wenigen Jahren in unserem Alltag zum Teil dann auch sehen werden, dass wir mit gezielter Beeinflussung des Darms und der Darmflora, den Darmbakterien, letztlich nicht nur den Darm, sondern viele andere Erkrankungen behandeln werden.

I: Das ist auf jeden Fall der Wahnsinn, was für ein Einfluss der Darm hat. Wenn man jetzt mal bei den eher alltäglichen Problemen, den kleineren Problemen ist, wie kann man denn zum Beispiel was beeinflussen, wenn man zu festen oder zu flüssigen Stuhlgang hat? Ich denke mal, das ist so ein Problem, mit dem viele täglich zu kämpfen haben.

B1: Ja. Und was mein Alltag ist. Das kann ich Ihnen ganz klar sagen. Als Leber-Magen-Darm-Arzt kommen natürlich viele Menschen zu mir, die genau das Problem haben. Entweder neigen sie zu Verstopfung. Und das Ganze kann natürlich unangenehm sein, wenn ich mehrere Tage nicht zur Toilette gehe. Das ist einfach ein mechanisches Problem. Ich habe Stuhl im Bauch, das tut weh, dann wird der Stuhl vielleicht auch härter und wenn ich dann zur Toilette gehen muss und habe einen Stuhl, das kann auch einfach mechanisch weh tun. Und auf der anderen Seite, flüssiger Stuhl, häufig zur Toilette gehen, das ist im Alltag schon anstrengend. Wenn ich jetzt 4, 5, 6, 7-mal zur Toilette muss und habe vielleicht einen Termin beruflich, wo ich jetzt nicht ständig rausrennen kann oder selbst auf dem Weg zur Arbeit, zu Terminen und nicht gerade eine Toilette finde, das belastet viele Menschen im Alltag. Und das sind viel mehr Patienten, als wir glauben. Und da kommen viele Menschen zu mir und fragen, Mensch, was kann ich denn, entweder mit dem einen oder dem anderen Symptom, machen? Und da kann man schon helfen. Das fängt natürlich an, ganz banal, erstmal bei Nahrung. Es gibt bestimmte Nahrungsbestandteile, die eben zu dünnerem Stuhl führen und zu festerem Stuhl führen. Und da kann man anfangen zu googeln, wo es viele gute Tipps gibt. Ich könnte jetzt stundenlang weiterreden, das mache ich jetzt nicht, aber die Nahrung selber hat natürlich einen Einfluss. Das Zweite ist, dass wir natürlich dann auch, wenn diese banalen Dinge nicht gehen, dann ist, Lebensqualität, wie organisiere ich mein Leben? Da steht natürlich Bewegung an ganz großer Stelle. Wenn ich nur den ganzen Tag sitze, mich nicht bewege oder gelingt es mir, Pausen zu machen und schlicht und ergreifend Bewegungen einzustreuen, die dann auch den Darm wiederum anregen können. Als Letztes kann ich auch mit Medikamenten die Stuhlkonsistenz in beide Richtungen beeinflussen. Da haben Ärzte die Möglichkeit. Aber das nochmal ganz klar, da bin ich ein Arzt, der da erst ganz, ganz spät mit anfängt, wenn wirklich nichts anderes geht, weil das ist natürlich nichts Natürliches, dass man jetzt immer gleich mit Medikamenten gegensteuert. Aber wenn es nötig ist, muss man das tun, weil sowohl Durchfall, übermäßiger Durchfall, als auch Verstopfungen, können im Extremfall, auch gefährlich werden.

I: Ab wann sollte man denn dann zum Arzt gehen?

B1: Auch da gibt es jetzt keine 1:1 Antwort, die immer für jeden Menschen, für jeden Bürger, zutrifft. Das ist sicherlich ein Unterschied, ob ich jetzt ein junger Mensch bin und irgendwie mal drei Tage ein bisschen dünneren Stuhlgang habe. Da würde ich sagen, konsequentes, internistisches Zuwarten. Das wird schon wieder gut werden. Wenn ich jetzt aber ein Mensch bin, der 50 Jahre alt ist, der wechselnden Stuhlgang hat, häufig Episoden hat, wo ich vielleicht mal vier, fünf Tage nicht zur Toilette kann und dann aber vielleicht auch dünneren Stuhl haben, das ist für mich ein Alarmsignal. Da kann auch mal ein Darmkrebs hinter stecken. Da muss ich sicherlich eine Darmspiegelung durchführen. Also von daher, ich sage immer, so ein bisschen gesunder Menschenverstand. Alles, was, von diesen Symptomen, mehr als drei Tage anhält, was Verstopfung angeht, wenn das wiederkehrend ist, dann sollte man mal zum Magen-Darm-Arzt gehen. Und wenn ich dünnen Stuhl habe, der auch über eine Woche, mehr als sieben bis zehn Stuhlgänge ist, dann ist das auch nicht normal und dann sollte ich auch mal zum Hausarzt gehen und der kann mich dann schon, entweder beruhigen oder dann eben zu einem Spezialisten weiterleiten.

I: Alles klar. Ich habe ein paar kleine Mythen herausgesucht oder eben auch Nicht-Mythen. Vielleicht können Sie uns ganz kurz sagen, ob da was dran ist. Stimmt es, dass man beim Essen am besten 30-mal kauen soll?

B1: Och Gottchen, kann nicht schaden, aber wenn ich mich selber angucke, ich glaube, ich halte das nicht immer ein.

I: Das ist beruhigend. Dann, warum soll man beim Stuhlgang nicht mit Pressen nachhelfen? Stimmt das überhaupt?

B1: Auch hier ist es so, wenn ich ein gesunder Mensch bin und bin 30 Jahre alt und habe, warum auch immer, weil ich viel unterwegs war, nicht zur Toilette konnte, drei Tage keinen Stuhlgang, da muss man auch manchmal ein bisschen drücken, dass das Ganze, auf Deutsch gesagt, passiert, bevor ich das jetzt übertrieben mache. Umgekehrt ist es so, wenn gerade ältere Menschen, die vielleicht Hämorrhoiden haben, da kann man sagen, die können dann auch mal platzen, wenn ich harten Stuhlgang habe und da dagegen drücke. Dass man grundsätzlich nicht pressen sollte, das würde ich so nicht 1:1 stehen lassen.

I: Alles klar. Ist der Blinddarm unnütz?

B1: Historisch hat immer alles einen Sinn. Aktuell ist es aber so, in Deutschland werden ja zehntausende bis hunderttausende Blinddärme jedes Jahr operiert. Diesen ganzen Menschen geht es gut. Das heißt, man kann sehr gut ohne einen Blinddarm überleben. Aber auch in diesem Bereich des Darmes gibt es zum Beispiel auch verschiedene Lymphknoten, Lymphgewebe, die auch eine Funktion haben können, Regulation von Immunantworten. Aber grundsätzlich ist es richtig, man kann sehr gut ohne Blinddarm leben.

I: Alles klar. Und dann noch zum Abschluss, warum rutscht Kaffee eigentlich so durch? 

B1: Auch das würde ich jetzt erstmal hinterfragen, dass Kaffee immer durchrutscht. Jetzt geben Sie mir sicherlich nochmal ungefähr eine halbe Stunde, um Ihnen die Physiologie von Kaffee zu erklären, auf welche Nervenzellen im Darm die genau wirken. Warum denn die Darmaktivität sich entsprechend verändert. Also jetzt könnte ich 20 Stunden darüber reden. Ein ganz spannendes Thema. Aber auch hier ist es so, jetzt drehe ich das Ganze mal um, natürlich ist Kaffee eines der besten Getränke für unsere Gesundheit insgesamt und das betrifft auch den Darm. Also Kaffee ist zum Beispiel für die Lebergesundheit von größter Bedeutung. Er reduziert das Risiko, Leberzellkrebs zu entwickeln, reduziert, das Risiko, Darmkrebs zu entwickeln, reduziert das Risiko eine Leberzirrhose zu entwickeln. Er reduziert das Risiko für eine Zuckerkrankheit, für Diabetes Mellitus und auch für Parkinson. Ich bin nicht von Starbucks gesponsert, aber es ist ganz klar, dass Kaffee viele positive Effekte hat. Ja, das stimmt, es kann abführend sein und in der Tat erzähle ich das auch manchen Patienten, die eben das eine Symptome, was wir besprochen haben, sprich, Verstopfung haben. Da sage ich, probiere es doch mal, wenn du morgens deinen Kaffee trinkst, ob du dann nicht merkst, dass innerhalb danach von einer halben Stunde bis einer Stunde, sich die Darmbewegung ein bisschen steigert und du dann besser zur Toilette gehen kannst. Und das ist in der Tat bei vielen Patienten der Fall. Der Mechanismus ist vielfältig. Das Koffein selber stimuliert verschiedenste Zellen, unter anderem eben diese Zellen, die diese Darmmotilität, die Darm-Bewegung, steuern. Und dann passiert einfach mehr, dass der Stuhlgang ein bisschen einfacher wird. Aber ein großes Thema, was man noch viel beforschen kann.

I: Alles klar. Das ist für mich auf jeden Fall, als Kaffeeliebhaberin, äußerst beruhigend, zu hören. Noch eine Abschlussfrage, auch aus persönlichem Hintergrund, was mache ich denn bei Blähbäuchen?

B1: Ja. Also Sie können sich vorstellen, dass das ein ganz, ganz häufiges Problem ist und viele Menschen darunter leiden. Das kann auch richtig weh tun. In Deutschland leiden ja Millionen Menschen unter einem sogenannten Reizdarm-Syndrom, was viele von den Symptomen, die wir besprochen haben, eben umfasst und wo jetzt keine klassische, einfach zu fassende, organische Ursache dahintersteht. Und da sind, in der Tat, Blähungen ganz wichtige Symptome. Das Erste ist hier wieder Nahrung und da sollte man mal genau gucken, was man isst. Das fängt bei Milchprodukten an. Laktoseintoleranz bis zur Fruktose-Intoleranz. Dann gibt es natürlich die entsprechenden Bohnen-, Erbsen-Produkte, die in der Tat auch dann dazu führen, dass diese Darmbakterien vermehrt Gas bilden, was wirklich weh tun kann. Also Ernährung im Vordergrund. Bei Leuten, die Milchprodukte nicht vertragen, da kann man zum Beispiel mal so diese Laktasetabletten nehmen oder laktosefreie Milch ausprobieren. Und dann gibt es, für uns auch wiederum, als Ärzte, wenn das alles nicht hilft, wenn viel auch mit Ernährungsberatung versucht wurde, gibt es auch Medikamente, die wiederum die Blähungen oder die Gasbildung ein bisschen einschränken, weil sie letztlich mit Bakterien interagieren. Auch da haben wir gute Möglichkeiten. Und als letztes, auch die Darmmotilität spielt eine Rolle. Wir haben ja angefangen damit, wieso ist das so ein Thema, worüber man nicht so gerne redet? Weil, wenn ich jetzt wirklich Luft im Bauch habe und ich kann das mal nicht halten, dann ist das für meine Mitmenschen unangenehm. Und man möchte natürlich jetzt nicht, dass ich jetzt derjenige bin, der da immer die schlechte Luft verursacht. Aber auch hier können wir wirklich helfen. Das ist die Interaktion zwischen Ernährung, zwischen organischen Ursachen, wo wir, als Mediziner, einfach gucken müssen, was ich vorhin sagte, Entzündungen, Krebs, andere Dinge, bis hin dann aber auch im Extremfall, dass wir mit Medikamenten da auch gezielt eingreifen können und auch vielen Menschen helfen können. Aber man braucht sich dafür nicht zu schämen. Man ist nicht alleine damit und man kann das angehen und kann diese Symptome durchaus verbessern.

I: Das sind doch wirklich bestärkende Worte zum Abschluss. Vielen Dank, Herr Professor Wedemeyer, für Ihre tollen Antworten.

B1: Ich danke Ihnen und ich hoffe, dass alle mit dem Darm mindestens gesund bleiben. Tschüss.

I: Herr Professor Doktor Wedemeyer hat ja schon angesprochen, dass die Ernährung einen großen Einfluss auf unseren Darm haben kann. Deswegen freue ich mich sehr, dass wir nun mit der Ernährungsberaterin und Essbegleiterin Brinja Hoffmann zu dem Thema reden. Hallo Brinja. Schön, dass du heute hier bist. Wie sieht denn die ideale Ernährungsform für eine Person ohne Unverträglichkeiten aus?

B2: Ja, das ist eine sehr gute und tatsächlich immer wichtiger werdende Frage. Tatsächlich war ja der Darm lange Zeit gar nicht so berücksichtigt im Zuge der täglichen Ernährung. Mittlerweile stellt sich aber immer stärker heraus, wie wichtig eigentlich die Darmgesundheit für uns Menschen ist. Welchen Anteil die Ernährung für die Darmgesundheit hat und was ein gesunder Darm eigentlich mit der allgemeinen Gesundheit zu tun hat. Und wenn man es auf eine spezielle Kostform, also einen speziellen Essalltag, runterbrechen wollen würde, dann könnte man zum Beispiel von, es hört sich fast an wie Urlaub, nämlich von der mediterranen Ernährungsweise sprechen. Modern können wir es aber auch die flexitarische Ernährungsweise nennen, denn es geht tatsächlich nicht um den Ausschluss von Nahrungsmitteln oder gar kein bestimmtes Makronährstoffverhältnis in den Vordergrund zu stellen, sondern, dass wir einfach eine Vielfalt an ganz verschiedenen Nahrungsmitteln von hoher Qualität, also viele unverarbeitete Nahrungsmittel, zu uns nehmen. Und das hat sich insbesondere in den 50er, 60er Jahren, in der Mittelmeerküche, gut gezeigt. Was verbirgt sich dahinter? Das heißt also, viel saisonales Gemüse, vor allem Brokkoli, Artischocken, Aubergine, grüne Bohnen, Tomaten, genauso wie auch saisonales Obst. Wobei gerade da im Mittelmeerraum natürlich noch mal andere Obstsorten eine Rolle spielen. Also als Beispiel werden da Granatapfel, Feigen, Weintraube oder Zitrone genannt, die eben besonders gut für den Darm sind. Verschiedene Getreidesorten, vor allem aus ungeschältem Getreide, also beispielsweise Reis, Mais oder Weizen, inklusive Bulgur. Fisch und, oder Meeresfrüchte sollten einmal pro Woche auf dem Speiseplan stehen. Gerne fettreiche Fische, wie zum Beispiel Makrele, Thunfisch oder Forelle. Milch und Milchprodukte, also beispielsweise Käse, Feta, Mozzarella, Naturjoghurt, Quark, gerne in der Vollfettstufe oder auch beispielsweise Rohmilchprodukte. Dafür aber Fleisch, Wurst, Eier nur relativ selten und wenn sie denn gegessen werden, also grade die Fleischprodukte, dann lieber Geflügel, anstatt rotes Fleisch. Und auch tatsächlich sehr kleine Portionen, also nur so 60 bis 90 Gramm. Im Vergleich aktuell sind es ja doch eher so 150 bis 250 Gramm, pro Portion. Also quasi das Stück Fleisch, was auf dem Teller liegt. Und grade eben in dieser Mittelmeerküche oder flexitarischen Küche sollte unbedingt tierisches Eiweiß ergänzt mit pflanzlichem Eiweiß werden. Also zum Beispiel durch Hülsenfrüchte oder Nüsse. Wichtiges Stichwort, Nüsse und Samen gehören zu einer darmgesunden Ernährung. Vielleicht gerne Mandeln, Pinienkerne oder Walnüsse. Es gibt auch ganz viele tolle Kräuter und Gewürze, die super geeignet sind für die Darmgesundheit. Also ein bisschen mehr als nur Pfeffer und Salz. Zum Beispiel Rosmarin, Fenchelsamen, Oregano, Minze, Kurkuma. Und das Fett der Wahl, beziehungsweise Öl der Wahl, sollte tatsächlich Olivenöl sein. Also das alles sind sozusagen die Besonderheiten dieser mediterranen Küche oder eben modern, der flexitarischen Küche. Das heißt, es geht viel, viel weniger um die Kalorien, sondern viel mehr um Qualität, um Vielfalt, mit ganz besonderem Fokus auf pflanzliche Nahrungsmittel. Also eben nicht dieses, frei von, sondern, davon einfach mehr.
I: Da läuft einem ja direkt das Wasser im Munde zusammen, wenn man an die entsprechenden Gerichte denkt. Ich bin auch wirklich ganz großer Fan, der mediterranen Küche und auch gerade ein bisschen erleichtert, denn ich befasse mich jetzt nicht unbedingt viel mit meiner Ernährung, aber ich habe immer so den Grundsatz, dass ich probiere, mich sehr ausgewogen zu ernähren und dass ich einfach alles an sich erlaube, solange es nicht zu einseitig wird und nicht zu große Portionen. Also, dass ich einfach sage, das hatte ich jetzt lange nicht, dann mache ich das mal wieder. Und das gelingt ja dann eigentlich ganz gut und wenn ich dann jetzt noch die Tipps zu den einzelnen Lebensmitteln vielleicht mit aufnehme, wird sich mein Darm sicherlich freuen. (B2: Absolut.) Wir kennen das ja aber auch alle, gerade vielleicht auch in stressigen Phasen, dass unser Darm leider auch öfter verrücktspielt, dass er belastet ist. Kann das auch an gewissen Lebensmitteln liegen? Was sollte ich denn vielleicht vermeiden, wenn ich so einen empfindlichen Darm habe?

B2: Genau. Also was man ja einfach erstmal mit Darm oder Darmgesundheit verbindet, ist ja erstmal dieses große Thema Verdauung. Tatsächlich kann der Darm noch ganz viel mehr und hat auch noch verschiedene andere Aufgaben, wie beispielsweise unser Immunsystem zu unterstützen oder auch Entzündungsprozesse zu steuern. Man muss sich halt einfach klarmachen, dass der Darm quasi die Tür zu unserem Körper ist und damit einfach auch eine wichtige Barrierefunktion hat. Und wenn wir von einer guten Darmgesundheit sprechen, dann meinen wir letztlich damit, dass alle diese Funktionen unseres Darms in Balance stehen, und dafür brauche ich einen ausgewogenes, jetzt kommt es, Mikrobiom. Mikrobiom ist quasi die Gesamtheit aller Bakterien, guter und schlechter Darmbakterien, die wir vor allem Dickdarm finden. Und die sind wichtig für eine ausgewogene, ausbalancierte Darmgesundheit und Darmfunktion. Und genauso wie du sagtest, unser Lebensstil, aber eben auch ganz konkret Ernährungsfaktoren, können dieses Mikrobiom fördern oder hemmen. Also, wir können sozusagen die guten Darmbakterien füttern oder leider auch die Schlechten. Und dementsprechend gilt mittlerweile die Ernährung als Schlüsselfaktor für einen gesunden Darm und ein gesundes Mikrobiom. Ich sage immer ganz gerne, unser heutiger Ess- und Lebensalltag ist eigentlich eine Zuvielisation. Also wir machen irgendwie zu viel von gesundheitsschädlichen Dingen. Wir ernähren uns hauptsächlich von Lebensmitteln oder bestimmten Nahrungsmittel-Inhaltsstoffen, die, auch gerade für die Darmgesundheit, eben nicht förderlich sind. Man beschreibt das auch häufig, als die sogenannte Western-Diet. Also das heißt, wir essen sehr eiweißhaltig, vor allem viel tierisches Eiweiß, viel zu viel rotes Fleisch, zu viele gesättigte Fettsäuren, viel zu viel hoch-prozessierte Nahrungsmittel. Also eben diese Industrie-Nahrung, stark verarbeitet, mit vielen Zuckern, mit vielen Süßungsmitteln, gleichzeitig dann aber wenig Ballaststoffen. Wir essen häufig sehr unregelmäßig, haben immer diese Uhr im Nacken, also viel Stress, mit viel Sitzen, wenig Bewegung, vielleicht sogar noch gepaart mit Ein- und oder Durchschlafstörung. Und um uns irgendwie zu entspannen, brauchen wir dann vielleicht Genussgifte wie Alkohol, Tabak, Medikamente werden so häufig, wie nie, eingenommen, dann noch vielleicht mit übertriebener Hygiene. Also all das macht unsere Zuvielisation aus und sorgt leider nicht für das Wachstum der guten Darmbakterien. Also das heißt, dadurch kommen tatsächlich chronische Erkrankungen, chronische Entzündungen und eben die von dir genannten Darmprobleme zustande. Ein ganz, ganz großes Problem unseres heutigen Ess-Alltags ist tatsächlich Fruktose. Also der vermeintlich gesunde Zucker aus Obst. Tatsächlich hier häufig industriell hergestellt aus zum Beispiel Maisstärke und mittlerweile in ganz vielen Nahrungsmitteln als süßende Zutat zugesetzt, beispielsweise in verschiedenen Getränken, aber auch in Joghurt, in Backwaren. Also tatsächlich ist nahezu jede Nahrungsmittelgruppe mittlerweile mit Fruktose gesüßt, aber eben auch anderen Süßungsmittel. Und der Konsum steigt einfach und in Reagenzglas-Studien hat man mittlerweile festgestellt, dass, durch diesen angestiegenen Konsum an künstlichen Süßungsmitteln, die Darmbakterien durch unsere Darmwand in andere Organe, wie zum Beispiel Leber, Niere, Milz, wandern können und dort für Infektion oder im schlimmsten Fall, Multiorganversagen, sorgen könnten. Und das schon nach täglich zwei Dosen Limonade. Also man sieht daran auch diese kurzfristigen Veränderungen im Zuge der Darmgesundheit in negative, aber, jetzt kommt das Aufatmen, auch in positive Richtung, sind wirklich ganz kurzfristig möglich.

I: Ist es denn dann sinnvoll, wenn man jetzt vielleicht eine Ernährung hat, die den Darm sehr belastet hat, mal in Richtung Darmkur, fasten, irgendwie so was, zu denken?

B2: Tatsächlich. Es gibt ja mittlerweile wirklich schon viele Dinge, die man tun kann. Was immer Sinn ergibt, tatsächlich seine Ernährung in Richtung der, zum Beispiel, mediterranen Ernährung umzustellen, zu optimieren. Es reicht aber beispielsweise auch schon, seinen Konsum an, zum Beispiel, Ballaststoffen, zu erhöhen. Da liegen die meisten von uns weit unter den Empfehlungen, die 30 Gramm pro Tag lauten. Dabei ist es relativ einfach, auf diese Menge zu kommen. Man muss sich halt immer klarmachen, dass eine ballaststoffreichere Ernährung auch immer lustigerweise erstmal wiederum zu mehr Bewegung, im wahrsten Sinne des Wortes, im Darm, führen kann. Das ist aber völlig normal. Das gehört dazu. Wichtig wäre da tatsächlich, einfach A durchhalten, sich klarmachen, das gehört dazu. Das ist ein an sich gutes Zeichen. Man sollte unbedingt viel trinken und eben diese Ballaststoffmenge langsam steigern. Und es kann durchaus sinnvoll sein, gewisse Probiotika zusätzlich, gerade in dieser Anfangsphase, einzunehmen. Und Probiotika sind vereinfacht gesagt, gute Darmbakterien, die wir brauchen. Und die gibt es eben mittlerweile tatsächlich schon so zum Einnehmen und sind auch Teil einer, wie von dir gerade angesprochen, Darmkur.

I: Das heißt, es gibt gewisse Nährstoffe und dazu zählen dann auch diese Probiotika, die wir auf jeden Fall zu uns nehmen sollten.

B2: Genau. Also, es gibt bestimmte Nährstoffe. Und Probiotika kann man sich jetzt so vorstellen, das sind wirklich die einzelnen Mikroorganismen. Also das sind jetzt gar nicht die Nährstoffe, die unsere Darmbakterien brauchen. Da kann ich gleich noch mal was zu sagen. Es gibt nämlich welche, die tatsächlich eine gute Futterquelle für Aktivität und Wachstum der guten Darmbakterien sind. Und diese Probiotika sind jetzt quasi die Darmbakterien, die mir vielleicht durch meine noch nicht ganz ausbalancierte Ernährung und meinen bewegungsarmen Lebensstil aktuell fehlen und die könnte ich eben tatsächlich direkt auch zuführen, sodass sie dann da landen, wo sie hinsollen, nämlich in dem Darm.

I: Verstehe. Bei Probiotika muss ich direkt an so eine morgendliche Gesundheitsdrink-Werbung denken. (B2: Ja.) Ist das der typische Weg oder macht man das irgendwie anders heutzutage?

B2: Genau. Also tatsächlich stimme ich dir da voll zu. Da ist man mit den Gedanken da. Also dieses klassische, hat dein Immunsystem schon gefrühstückt? Genau. Also es ist tatsächlich eine große, interessante Stoff-Gruppe für die Nahrungsmittelindustrie, weil man eben ja immer mehr Erkenntnisse über die Wichtigkeit eines gesunden Darms erlangt und eben versucht, auch bestimmte Nahrungsmittel mit Probiotika anzureichern. Ich würde tatsächlich gar nicht empfehlen unbedingt, diese speziell mit Probiotika angereicherten Nahrungsmittel zu nehmen. Du hast einfach grundsätzlich Nahrungsmittel, die probiotisch wirken. Dazu zählen zum Beispiel Sauermilchprodukte, klassisch Sauerkraut, auch ganz klassisch der Naturjoghurt. Aber beispielsweise auch aus der asiatischen Küche kennen wir zum Beispiel Kimchi. Also all das werden sowieso Nahrungsmittel, die probiotisch wirken. Also da wäre ich auch eher bei dem großen Thema, lieber etwas Natürliches nehmen. Alternativ kannst du auch tatsächlich, da gibt es spezielle Präparate, wo eben nur diese speziellen Bakterien-Arten, als Beispiel Lactobazillus, enthalten sind. Also du musst jetzt nicht auf spezielle Produkte der Industrie zurückgreifen.

I: Alles klar, verstehe. Zum Abschluss würde ich gerne noch wissen, wir sprachen gerade schon ein bisschen über die Nährstoffe, was kann ich denn da für meinen Körper tun?

B2: Genau. Also vom Grundsatz her muss man einfach noch mal festhalten, dass die Art und Menge an Kohlenhydraten, Eiweiß und Fetten definitiv unsere Zusammensetzung und Funktionalität der Darmmikrobiota, also der Darmbakterien beeinflusst. Man muss sich auch klarmachen, alle Nahrungsmittel, die nicht vollständig vom Darm, also vom Dünndarm, aufgenommen werden, dienen wiederum im Dickdarm als Futter für die guten Darmbakterien. Und dazu zählen vor allem zwei konkrete Nährstoffe. Das sind zum einen, wir haben sie eben schon mal mit anklingen lassen, die Ballaststoffe. Das heißt, vereinfacht gesagt, sind das unverdauliche Pflanzenbestandteile. Wie der Name schon sagt, sie kommen eben auch hauptsächlich in pflanzlichen Nahrungsmitteln vor, konkret in Gemüse, Hülsenfrüchten, Obst, Nüssen, Samen, Pilzen und eben Vollkorngetreideprodukten. Man muss sagen, dass Ballaststoffe eine sehr heterogene Stoffgruppe sind. Das heißt, es gibt ganz viele verschiedene Ballaststoff-Arten, die wiederum alle eine ganz unterschiedliche Wirkung auf die Darmbakterien haben, aber wir können grundsätzlich für sie alle sagen, sie sind halt wirklich die gute Futterquelle für eben Aktivität und Wachstum der guten Darmbakterien. Und es ist auch relativ einfach, diese empfohlene Menge von 30 Gramm Ballaststoffe pro Tag, aufzunehmen. Was ist ballaststoffreich? Getreidesorten, vor allem Weizenkeime, Dinkel, Haferkleie. Außerdem Nüsse oder Samen, also einfach öfter zum Beispiel Kürbiskerne, Leinsamen oder Mandeln mit in den Ess-Alltag einbauen. Auch Hülsenfrüchte dürfen gern öfter auf dem Speiseplan stehen, gerne Kichererbsen, Kidneybohnen, Erbsen. Sie sind alle besonders ballaststoffreich. Also heißt, vom Grundsatz her, viele pflanzliche Nahrungsmittel einbauen, viele verschiedene pflanzliche Nahrungsmittel. Dann nimmst du auch ganz viele unterschiedliche Ballaststoffe auf und vielleicht, dass man mal so eine Vorstellung bekommt, was bedeutet das jetzt für mich an so einem ganz klassischen Ess-Tag? Also, was könnten das für Nahrungsmittel sein? Du könntest, zum Beispiel, beim Frühstück mit einem Porridge, bestehend aus Haferflocken, mit Apfel, Banane und Walnüssen starten und hättest mit einer Portion schon acht Gramm Ballaststoffe aufgenommen. Du könntest dir zum Mittagessen Topinambur-Puffer mit Räucherlachs machen. Also, es geht so ein bisschen in die Richtung von Kartoffeln oder Kartoffelpuffer, hast damit schon 29 Gramm Ballaststoffe pro Portion aufgenommen. Das heißt, da hast du eigentlich fast schon die Tagesempfehlung erreicht. Und zum Abendessen gönnst du dir einen wunderbaren Blumenkohl-Reis mit Zwiebeln, Avocado, Spargel und Rucola. Das Ganze noch schön garniert mit Ziegenfrischkäse und endest dann nochmal mit 22 Gramm Ballaststoffen pro Tag. Also, es ist gar nicht so schwierig, auf diese Menge zu kommen. Ein Tipp wäre von mir noch, verstärkt auf den Ballaststoff Inulin zu achten. Da weiß man tatsächlich, das ist ein guter Nährstoff für unsere guten Darmbakterien und findet man insbesondere in Chicorée und Pastinake. Also das wäre nochmal so ein großer Tipp und ich habe das vorhin schon angeschnitten, die Ballaststoffmenge langsam steigern, da erstmal sozusagen Bewegung in den Darm kommt. Also auch viel trinken. Und ich hatte gesagt, es gibt noch eine zweite Stoff-Gruppe, also Nährstoff-Gruppe, die wichtig ist für unsere guten Darmbakterien und das sind die Polyphenole. Das ist eine auch sehr heterogene Stoff-Gruppe. Das sind sogenannte sekundäre Pflanzenstoffe. Also der Name verrät schon wieder, wir finden sie nahezu ausschließlich in pflanzlichen Nahrungsmitteln. Es gibt auch hier über zehntausend Arten, die uns bislang bekannt sind. Sie wirken für den Körper entzündungshemmend, fördern unser Immunsystem. Aber alle Details für den Körper und unsere Gesundheit sind noch gar nicht bekannt. Wir wissen nur aktuell, dass unser Darmmikrobiom, also die guten Darmbakterien, eine Schlüsselrolle bei der Aktivierung und Verstärkung der gesundheitsförderlichen Effekte, dieser Stoff-Gruppe, auf den gesamten Körper tatsächlich zu übernehmen scheinen. Und wir finden diese Polyphenole zum Beispiel in Beeren-Früchten, also gerade in der Schale, in verschiedenen Zitrusfrüchten, Hülsenfrüchten, Algen, ein großes Thema, aber auch Kräutern und Samen. Also da schließt sich der Kreis, wenn man so ein bisschen diese Mittelmeerküche stärker in seinen Alltag integriert, dann deckt man das auch automatisch ab und muss sich da jetzt gar nicht so um diese speziellen Nährstoffe im Hintergrund Gedanken machen.

I: Das klingt doch super für den Alltag. Vielen Dank, dass du uns an deinem Wissen hast teilhaben lassen.

B2: Sehr gern. Ich habe zu danken.

I: Nachdem wir nun die medizinische und ernährungswissenschaftliche Sicht kennengelernt haben, gibt es noch einen weiteren, sehr großen Bereich, den wir noch abdecken können. Die Bewegung. Dafür haben wir uns Ingalena Schömburg-Heuck eingeladen. Sie ist ehemalige Leistungssportlerin und Sportwissenschaftlerin und ich freue mich sehr, ihr ein paar Fragen zum Thema Bewegung stellen zu dürfen. Hallo Leni. Welchen Einfluss hat denn Bewegung auf unsere Darmgesundheit?

B3: Bewegung hat grundsätzlich eine große Auswirkung auf unser gesamtes Gesundheitssystem und eben auch auf den Darm. Bewegung regt eben die Verdauung an. Also die Darmperistaltik ist ja grundsätzlich aktiv. Das heißt, unser Darm agiert ja immer in Ruhe, auch schon dabei, eben unsere Nahrung zu verdauen. Aber indem wir uns bewegen, wird eben dieses Verdauungssystem noch mal stärker angeregt und das heißt, dass wir eben schneller auch unsere Nährstoffe verdauen und letztlich damit auch den Darm entlasten. 

I: Das heißt, so ein Verdauungsspaziergang ist auf jeden Fall die bessere Alternative zum Absacker?

B3: Definitiv. Also der Verdauungsspaziergang ist immer gut, weil man eben, zum einen, klar, auch frische Luft für den Kopf bekommt und eben auch tatsächlich den Darm anregt, sich besser die Nährstoffe durchzumengen, wenn man das so sagen kann. Und eben dadurch die Nährstoffe besser und schneller verdaut werden und man nicht so ein schweres Gefühl im Darm hat. Grundsätzlich muss man aber natürlich auch dazu sagen, wir können über die Auswahl unserer Lebensmittel schon einen großen Einfluss darauf nehmen, wie belastet wir uns im Darm fühlen. Und deswegen ist es da schon der erste Schritt, zu sagen, wenn ich nach dem Essen so einen schweren Bauch habe, dass ich mich danach fühle, einen Verdauungsspaziergang zu machen, dann habe ich eigentlich schon bei der Nährstoffauswahl was verkehrt gemacht oder habe zu viel gegessen. Und deswegen ist die erste Frage natürlich, was tut mir wirklich gut? Das Wichtige für mich ist immer, wenn ich was gegessen habe, sollte ich mich danach energetisch fühlen und nicht müde. Dann habe ich die richtigen Lebensmittel ausgewählt und die richtige Zusammensetzung gewählt und eben auch nicht zu viel gegessen. 

I: Gibt es denn Übungen zur Förderung der Darmgesundheit?

B3: Ja, da muss man grundsätzlich sagen, es gibt direkte und indirekte Förderung der Darmgesundheit. Zum einen, die Bewegung an sich fördert einmal unser Gemüt, also unsere Psyche. Und Darm und Psyche hängen ganz, ganz eng zusammen und deswegen kann man sagen, dass die Bewegung schon mal eine positive Auswirkung auf die Psyche hat und so, direkt natürlich, auch den Darm positiv beeinflusst. Das ist die eine Seite. Und direkt einen Einfluss haben, zum Beispiel, Yoga-Übungen. Also spezielle Übungen, die den Darm eben auch mit anregen. Sei es jetzt, indem man sich möglichst groß macht und eben diesen ganzen Bauchbereich ein bisschen öffnet. Aber eben auch, zum Beispiel, laufen oder spazieren gehen, weil durch diese Aufprallbewegungen der Füße, oder den Abdruck, eben auch die Darmperistaltik weiter mit angeregt wird und somit der Darm gefördert wird, in seinen Verdauungstätigkeiten weiterzumachen.

I: Da habe ich ja Glück. Das sind die einzigen beiden Bewegungsarten, die ich regelmäßig durchführe.

B3: Na wunderbar. Dann hast du gleich Darmgesundheitsübungen, die du gerne machst und wenn wir etwas gerne machen, dann wirkt das natürlich gleich doppelt auf unser Gemüt, auf unseren Darm und unsere Gesundheit und das ist ganz wichtig. Am Ende geht es auch um den Spaß, aber für den Einsteiger ist es manchmal wichtig, auch eine gewisse Einstiegsphase zu überstehen. Also immer, wenn wir etwas neu etablieren wollen, also eine Gewohnheit, dann brauchen wir ein bisschen Zeit dafür. Das heißt, für jeden, der jetzt darüber nachdenkt, sich Darm gesünder zu ernähren oder auch Darm gesünder zu bewegen, gilt es wirklich, sich auch ein Ziel zu setzen. Und das heißt, zum Beispiel, vier bis sechs Wochen, drei bis vier Mal in der Woche, sich gezielt, bewusst zu bewegen. Also laufen zu gehen, einen langen Spaziergang zu machen oder walken oder ähnliches für den Einstieg, um eben eine tatsächliche Wirkung zu spüren. Wer nach zwei Wochen aufgibt und sagt, bringt alles nichts, der hat es nicht lang genug probiert. Gewohnheit ist im Darm, so wie in unserem Kopf, überall verankert und da müssen wir uns einfach Zeit geben für Veränderung.

I: Ja, das ist ja mit den meisten Sachen so, dass man Resultate nicht nach ganz kurzer Zeit erwarten kann, sondern das schon so ein bisschen durchziehen muss. Was ich mich gerade gefragt habe, ist, wenn die Bewegung gut für meinen Körper ist, ist das wirklich eine pauschale Sache? Oder gibt es auch Formen der Bewegung, wo ich irgendwie achtgeben muss? Also jetzt insbesondere auf den Darm bezogen. Könnte mir das auch irgendwo schaden oder ist Bewegung immer gut?

B3: Also Ausbelastungen, Extrembelastungen, die jetzt den Puls ganz, ganz stark nach oben treiben, sei es jetzt bei Intervall-Training oder auch bei HIIT-Training, bei starken Gewichtsbelastungen, die man jetzt zum Beispiel auch beim Crossfit oder im Fitnessstudio oder bei eben tatsächlichem Bodybuilding quasi macht, das kann auch eher mal negativ auf den Darm wirken. Also alles, was wir mit viel Druck ausführen, also mit Pressen beispielsweise, das tut dem Darm nicht so gut und diese Ausbelastungen, wo wir den Puls sehr stark nach oben treiben, können den Darm auch mal negativ beeinträchtigen, also zum Beispiel auch mal zu Durchfall führen. Das heißt, da kann man grundsätzlich sagen, alles, was sich so im moderaten bis zu einem etwas intensiveren Grundlagenpuls bewegt, ist gut für den Darm. Alles darüber hinaus kann auch mal eben zu einer Beunruhigung des Darms führen. Was jetzt nicht heißt, dass man es nie machen sollte, aber eben immer dosiert. Aber das ist ja die Grundregel, wenn es um den Sport geht, dass man eine gesunde, ausgeglichene Basis zwischen sehr hoher Belastung und moderater, mittlerer Belastung findet.

I: Ja, wie eigentlich alles im Leben ist der gesunde Mittelweg immer am besten. Und wenn man dann von beidem etwas mitnimmt, da hat man doch auch von beidem dann die Vorteile. 

B3: Genau. Aber grundsätzlich finde ich schon wichtig, dass man auch, zum Beispiel beim Laufen, nicht immer nur in seine Grundlagen-Schlürfschritt unterwegs ist, sondern schon auch mal Spitzen setzt, denn nur so kommt man voran. Und das bringt einen dann letztendlich auch in der Psyche voran und dann sind wir wieder beim Einstieg, Psyche und Darm hängen ganz eng zusammen und wenn es uns im Kopf gut geht, dann geht es unserem Darm auch meistens besser und andersrum. Und deswegen ist es schon wichtig, dass wir auf unsere allgemeine Gesundheit achten und unseren Darm entsprechend mit guten Nährstoffen und ausreichend Bewegung eben fördern.

I: Das ist super. Gibt es noch irgendwas, was dir zu dem Thema noch wichtig wäre?

B3: Ja. Wenn wir jetzt zum Beispiel Sport machen, ist es auch wichtig zu schauen, was esse ich davor, damit ich eben auch darmgesund meinen Sport ausführen kann. Also beispielsweise sagt man, zwei bis drei Stunden vor einer Ausdauerbelastung, wie zum Beispiel einem Lauftraining oder einer Fahrrad-Einheit sollte man zuletzt eine größere Mahlzeit konsumiert haben. Wer kurz vorher doch noch Hunger hat, der isst am besten eine Banane oder ein Stück von einem Sportriegel oder trinkt noch eine Schorle, damit er einfach den Darm möglichst entlastet hat und dann eben auch den Sport gut machen kann. Sonst kann es dazu führen, dass man eben Durchfall bekommt oder Seitenstechen hat oder so ein Völlegefühl empfindet und auch letztlich seine sportliche Leistung gar nicht gut abrufen kann.

I: Das ist auch nochmal super, zu wissen. Dann ist man jetzt bereit, um sich ein bisschen zu bewegen und seinen Darm ideal zu fördern. Vielen Dank für deine Tipps.

B3: Ja, sehr gerne. Viel Spaß beim Training und beim Nachmachen.

I: Ja, vielen Dank. Die Tipps unserer drei Expertinnen und Experten richten sich zunächst an Personen ohne Darmerkrankung. Da in solchen Fällen eine individuelle Absprache mit dem Arzt oder der Ärztin erfolgen muss. Ihr merkt, der Darm ist ein komplexes und einflussreiches Konstrukt, das auch in jungen Jahren Aufmerksamkeit verdient hat. Denn ist euer Darm glücklich, seid ihr es höchstwahrscheinlich auch. Wir hoffen, dass wir euch das Thema näherbringen und ein Stückchen weiter aus der Tabu-Schublade holen konnten. Auf unserem Instagram-Kanal findet ihr übrigens noch viele weitere nützliche Infos, die perfekte Klo-Lektüre also. Und gerade Personen ab 45 sollten wirklich an die Vorsorge für Darmkrebs-Früherkennung denken. Das können Versicherte der Audi BKK ganz einfach und kostenfrei tun, bei euch zu Hause. Bestellt unser kostenloses Stuhlgangs-Set von Care Diagnostiker, macht den Test zu Hause und schickt es ein, ganz ohne Aufwand, super easy. So gebt ihr Darmkrebs keine Chance. Falls ihr selber noch nicht in dem Alter seid, erinnert doch eure Eltern daran. Wir hoffen sehr, dass du aus dieser Folge etwas mitnehmen konntest, und wünschen dir und deiner Verdauung alles Gute. Wenn dir die Folge gefallen hat oder du Anmerkungen für uns hast, hinterlasse doch gerne eine Bewertung auf einem Podcast-Player deiner Wahl. Und wenn du keine Folge mehr verpassen möchtest, drücke doch auf die Abo-Taste. Ansonsten gibt es die nächste Folge dann in einem Monat, wenn es wieder Zeit ist für Von Achtsam bis Zuckerfrei, dem Gesundheits-Podcast der Audi BKK.

Ihr Kontakt zu uns

Postfach 10 01 60
85001 Ingolstadt

info(at)audibkk.de